Bereits im 28. Jahr gibt es den Großtauschtag des Briefmarken-Sammler-Vereins Hammelburg. Die Briefmarkenfreunde und Numismatiker trafen sich jetzt wieder in der Schwedenberghalle. Vorsitzender und Organisator Roland Full war zufrieden mit der Präsenz der Sammler und Händler. Ein Hingucker ist die Briefmarke "1300 Jahre Hammelburg".

Dennoch stellte Händlerin Gabi Schmittkorn aus Forchheim fest: "Die Kundschaft ist weniger geworden." Es gebe einen nahezu festen Stamm an Besuchern, die sie zum großen Teil persönlich kenne. "Aber da wächst nichts nach", sagt sie. Denn das Thema Briefmarken spreche die Mittelalten oder gar Jüngeren ganz und gar nicht an. Das Durchschnittsalter in den Briefmarken-Vereinen sei mitunter um die 70 Jahre.


Interesse aus China

Wenn die früheren Generationen noch die Marken des Deutschen Reiches, der DDR und der Bundesrepublik als Wertanlage sammelten, so ist der Markt derzeit offenbar damit überschwemmt. "Eine Ausnahme ist zurzeit China", sagt Ehemann Thomas Schmittkorn. Die chinesischen Briefmarken würden deshalb im Wert steigen, weil eine wohlhabende Käuferschicht aus China sie zurückkaufen wolle. Vieles laufe über das Internet. "Aber persönlich in einem Album zu blättern, ist doch was ganz anderes", sagt er. Knapp 100 Alben liegen jetzt bei ihm auf den Tischen.


Es gibt auch Ladenhüter

Münzsammlungen liegen bei Artur Bömmel aus Bad Kissingen auf dem Tisch. "Früher gab es regelmäßige Treffs in Hammelburg, Bad Kissingen, Lohr und Schweinfurt", erinnert er sich. Auch bei den Münzen habe das Interesse nachgelassen. "Seit zehn Jahren läuft so gut wie gar nichts mehr", sagt Bömmel. Fünf-Mark-Sonderprägungen aus der DM-Zeit bleiben Ladenhüter. Auch die komplette Sammlung an Pfennigen aus den fünf verschiedenen Bundesprägeanstalten Berlin (a), München (d), Stuttgart (f), Karlsruhe (g) und Hamburg (j), die vor wenigen Jahren noch im Fokus der ernsthaften Sammler standen. Eine Ausnahme bildet die historische Münze (1888) aus Bayern mit dem Abbild von König Otto, dessen Staatsgeschäfte Prinzregent Luitpold tätigte.


Zeitgeschichte zum Anfassen

Aus dem Bayern des 19. Jahrhunderts stammt die Briefmarke "Schwarzer Einser" (1849), die Roland Full präsentieren kann. Es ist ein Stück Zeitgeschichte zum Anfassen. Genau so wie jene frankierte Briefumschläge aus der Nachkriegszeit, die als Bestätigungsschreiben den Erhalt von Care-Paketen aus Schweden oder USA quittierten. Full hat auch ein Exemplar in seiner Sammlung mit Stempel vom Tag der Währungsreform (21. Juni 1948).

Weiterhin kann er Berlins Brandenburger Tor in vielen Zeitvariationen per Briefmarke präsentieren. "Ich habe mir vorgenommen, bis zur 30. Veranstaltung des Großtauschtages organisatorisch zur Verfügung zu stehen", sagt Full. Danach wäre er froh über einen Nachfolger, der ihn ablöst.