Name, Geburtsdatum, Sterbedatum - lakonischer kann man ein Leben nicht beschreiben. Es geht aber auch anders: ausführlicher, anrührender oder mit einem zarten Hauch von Humor.

"Alhie ruhet Anthoni Behm bey seinen Eltern gar bequem." Nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht: Behm hat es sich verdient. Schließlich berichten die weiteren Verszeilen, dass er Verstand bewies, ein "gütig Herz" und eine "milte Handt" hatte. "Darum dann auch sein Vaterland hochlich betrauert seinen Todt." Am 18. Mai 1579 war das. So ist es auf der Steinplatte zu lesen.

Auf dem Hammelburger Friedhof sind noch einige wenige solcher Grabplatten aus dem 16. und 17. Jahrhundert zu finden. "Es ist interessant, welche Redewendungen und Texte früher verwendet wurden", sagt August Brendan. Der frühere Ordnungsamtsleiter kennt den Friedhof so gut wie kein anderer Hammelburger. Obwohl er seit Frühjahr im Ruhestand ist, kümmert er sich immer noch um die Anlage und ist regelmäßig dort anzutreffen.

Über einen anderen Verstorbenen erzählt eine Steintafel, er "hält sich unter diesem Rasen auf, die Erde behält seine Gebeine, seine Seele hat sich aufgemacht zur Sternenstadt am Tage des 5. August im Jahre 1594". Es ist eine von vier Grabplatten, die in der Nähe der Urnenwand hängen. Weitere sind an einer Seite der Leichenhalle zu entdecken.


Tafeln helfen beim Entziffern

Die eingravierten Buchstaben sind meist stark verwittert und schwer zu entziffern. Die Inschriften sind außerdem teilweise in Latein verfasst. Doch kleine Schildchen an den Grabplatten erleichtern das Lesen. Harald und Michaela Drescher machten sich im vergangenen Jahr die Mühe, die lateinischen Texte zu übersetzen.

Ein Sohn eines Apothekers hat am 6. Juni 1592 im Alter von einem Jahr und drei Monaten "die Hülle seines Körpers seiner Mutter zurückgegeben und liegt hier in der Hoffnung der seligen Auferstehung begraben". Die Grabplatten sind die letzten Zeugnisse aus der Frühzeit des Friedhofs, der 1543 angelegt wurde. Heutzutage, da der Trend zu neuen, pflegeleichten Bestattungsformen zum Beispiel in Urnengräbern und -wänden geht, erinnern sie an eine zunehmend fremd wirkende Trauer- und Begräbniskultur vergangener Jahrhunderte und drücken zugleich in manchem Text ein ganz ungezwungenes Verhältnis zum Tod aus.

"Elias wardt ein Wandersmann/ als er großer Gefahr entrann/ Gott schafft ihm Zehrung auf die Reyß/ geröstet Brot war seine Speiß/ Sein Tranck von süssem Wasser frisch/ Dardurch er wurde so stark und risch/ dass er gieng viertzig Tag und Nacht/ bis er sein Weg zu Gott vollbracht/ So bin ich auch durch Gottes Krafft/ von großem Unglück weggerafft." Und Christus gab dem 1594 Verstorbenen Stärkung, dass "ich mit starckem Mut und Sinn bis zum Berg Gottes kommen bin".