Das Prinzip stille Post kennt jeder. "Kunst vereint", der Hammelburger Zusammenschluss von Kunstschaffenden, hat es auf sich angewandt. Das Ergebnis ist nun als Ausstellung "Stille Post" im früheren Kaufhaus zu sehen.

Die Idee entstand beim Besuch einer Ausstellung, sagt Barbara Winter. Vor acht Monaten fing dann alles an: Maria Heckmann überreichte Ingrid Holzinger eine Fotografie. Die Schaufensterszene hatte Heckmann während eines Urlaubs im vergangenen Jahr in Trier mit der Kamera festgehalten. Das Foto sollte Holzinger als Grundlage für ein Aquarell dienen.

Das war gar nicht so einfach, wie Holzinger erklärt. "Ich habe einen ganzen Abend lang überlegt." Letztlich habe sie sich von der Stimmung der Fotografie inspirieren lassen. Ihr Werk gab Holzinger an den Nächsten in der Reihe weiter. Der sollte daraus wiederum Anregungen für seine Interpretation schöpfen. Und so ging es immer weiter.

Jetzt hängen 33 Bilder im Kaufhaus. Alle haben das gleiche Format, denn der Rahmen war für alle Teilnehmer der Kunstaktion im wahrsten Sinne des Wortes vorgegeben. Das relativ kleine Format sei für viele ebenfalls eine Herausforderung gewesen, erklärt Winter. Was die Teilnehmer daraus machen, blieb ihnen überlassen. "Sie konnten auswählen, was sie anspricht, zum Beispiel die Farbe oder das Motiv", sagt Winter.

Daher entfernen sich die Werke immer mehr vom Ausgangsbild. Das Motiv löst sich auf und wird immer abstrakter. Am Ende - so viel kann verraten werden - schlägt die Bilderreihe eine ganz neue Richtung ein. Wie beim Stille-Post-Spiel kommt am Ende etwas ganz Neues heraus. Die Fotografie hatte sie gewählt, sagt Heckmann, weil sie etwas Originelles und Provozierendes als Startpunkt setzen wollte.

Die Besucher können die Gedanken und Interpretationen der Künstler, die zumeist aus Hammelburg kommen oder einen Bezug zur Stadt haben, in der Ausstellung nicht nur an den Bildern nachverfolgen. Jeder Künstler erklärt sein Vorgehen mit einem kurzen Text, der neben dem Bild hängt.

Die Besucher können bei der Gelegenheit auch wohl zum letzten Mal das frühere Kaufhaus in seiner ursprünglichen Form besichtigen. Denn das Gebäude soll für Touristinfo und Stadtbibliothek umgebaut werden. Winter äußert sich daher froh, dass die Stadt die Räume noch einmal zur Verfügung gestellt hat. Sie rechnet damit, dass allein die Neugier auf das Kaufhausgebäude und die aktuelle Diskussion um das architektonische Konzept etliche Besucher in die Ausstellung locken werden. Zumindest war das bei der Ausstellung im vergangenen Jahr der Fall, die ein Publikumserfolg wurde.

Die Vernissage findet im Rahmen der Kunstnacht am Freitag, 2. Juni, um 19 Uhr statt. Die Bilder sind dann bis 2. Juli samstags von 10 bis 14 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 18 Uhr im früheren Kaufhaus zu sehen. Der Eingang befindet sich wegen der Rathausbaustelle im "Schillings Gässle".