Beide Seiten kennen sich zwar, doch die Verbindungen blieben bis auf wenige Ausnahmen eher sporadisch und reduzierten sich meist auf ein "Hallo". Obwohl es bisher keine Schwierigkeiten gab, blieben Flüchtlinge und Einheimische etwas auf Distanz. Zu unterschiedlich sind die Kulturkreise. Das "Beschnuppern" dauert etwas länger. Die Band "EarMachine" kam auf die Idee, ein "Multi-Kulti-Treffen" zu organisieren, zu dem jeder einen Teil beitrug und zu dem sich erstaunlich viele Besucher einfanden.
Die Asylbewerber richteten ihrerseits ein Büffet exotischer Speisen her, die sich die Hammelburger nicht entgehen lassen wollten. Die Initiatoren sorgten für Musik und Stimmung im ehrwürdigen Rathauskeller, der für diese Veranstaltung erfreulicherweise zur Verfügung stand. Zudem war eine Besichtigung der Flüchtlingseinrichtung möglich, allerdings nur in den gemeinsam genutzten Räumen wie zum Beispiel der Küche.

Knapp die Hälfte sind Kinder

Im "Hirschen" sind derzeit 43 Menschen untergebracht, informierte Katja Kellermann, die seit Anfang des Jahres die Asylbewerber betreut. Knapp die Hälfte davon sind Kinder. Kellermann ist Vollzeitbeschäftigte von Hausbesitzer Patrick Bindrum, der für Handwerkliches eine Zusatzkraft stellt. Behördengänge oder ähnliches erledigt die Caritas.
"Mein Arbeitgeber stellte das Geld für den Einkauf der Speisen zur Verfügung. Ich bin mit meinen Schützlingen zum Einkaufen gegangen und die haben, je nach Landessitte, daraus Spezialitäten gekocht und gebacken", informiert die Betreuerin. Auf den Tisch kamen leckere Dinge wie "Mantio" aus dem Kosovo, eine Weißbrottasche mit Hackfleischfüllung, albanisches "Baklava", eine mit Walnüssen und Honig gefertigte Süßspeise, mit Kartoffeln und Lauch gefüllte Teigtaschen aus Afghanistan und in Tomaten und Paprika gedünstete Hähnchen aus Afrika.
"Kommunikativ klappt es ganz gut mit den sechs verschiedenen Nationen. Zum Beispiel mit verwandten Balkan-Sprachen untereinander oder ein bisschen Italienisch, das einige können. Auch etwas Englisch und Deutsch ist ein paar Betreuten geläufig. Ansonsten müssen Hände und Füße helfen", beantwortet sie die Frage nach der Kommunikation.

Über 100 Besucher

Im Rathauskeller stauen sich die Neugierigen an dem appetitlichen, großen Büffet. Dann langen sie kräftig zu. In rund einer Stunde ist der größte Teil des Mahls verschwunden und die Stimmung wird zusehends lockerer. Da sich inzwischen mehr als 100 Besucher eingefunden hatten, beginnt "Earmachine" mit Frontfrau Tina Papst spontan mit ihrer Live-Musik, eine Stunde eher als geplant, was der Kontaktfreude nur gut tut.
Als Bürgermeister Armin Warmuth mit seiner Familie eintrifft, findet er zu Rock-Cover-Songs und Oldies tanzende und klatschende Menschen vor - ein Sprache, die jeder versteht. Insbesondere die Kinder, die schon beim Eintreffen ihre Förderlehrerin in der Grundschule, Gabriele Emmert, freudig willkommen hießen, ließen die letzte Distanz bröckeln. "So funktioniert Willkommens-Kultur und Integration", freut sich Warmuth in seinem Grußwort.
Kommunikation entwickelt sich, Fragen fliegen hin und her. "Wie heißt du, woher kommst du oder gefällt dir die Musik"? "Its a fantastic Party and good music", strahlen die beiden farbigen Freundinnen, Sandra und Joy. Doch auch Sorgen und Nöte klingen manchmal in der Unterhaltung an. Goran, ein kräftiger, junger Mann aus dem Kosovo, ist mit seiner Familie in Hammelburg untergebracht. Der Kosovo gilt in Deutschland nicht als Kriegsland. "Es ist richtig, der Krieg ist bei uns zu Ende aber unsere Wirtschaft liegt am Boden, viele haben zwar etwas Fleisch aber kein Brot und keine Arbeit", klagt Goran, der etwas Deutsch spricht. "Ich möchte gerne hier eine eigene Wohnung und meine Familie versorgen können. Ich kann arbeiten", betont der Kosovaner mit angespannten Muskeln, der demnächst Vater von drei Kindern ist. Hausherr Patrick Bindrum könnte ihn gut gebrauchen, wie er versichert. "Doch Goran hat keine Arbeitserlaubnis. Es wäre illegal, wenn ich ihn einstelle", erläutert der Bauunternehmer und fügt hinzu: "Wenn er eine Arbeitsgenehmigung erhält, kann er bei mir anfangen".