Seit Anfang April ist das Nest auf dem Mönchsturm verwaist. Für viele ist es über die Jahre zur Gewohnheit geworden, beim Gang durch die Altstadt hinaufzuschauen. Doch im neunten Hammelburger Storchenjahr werden die Blicke enttäuscht.

"Ich schaue immer mal wieder ins Storchennest, aber leider kein Storch weit und breit. Nur ab und zu ein paar Raben", berichtet eine Besucherin auf der Storchen-Seite von Christian Fenn (www.unser-hammelburg.de/ storchennest). Auch für ihn sei das Storchenjahr gelaufen, meint er.

Immerhin verschafft das Fenn eine Pause. Seit Jahren kümmert er sich unermüdlich darum, dass die Technik im Kirchturm funktioniert und die Bilder der Webcam reibungslos auf die Internetseite einlaufen. Zur Storchen-Hochsaison steigt er immer wieder den Turm hinauf, um die Technik zu justieren. Außerdem sichtet er die Bilder, um keine Entwicklung im Nest zu verpassen.

Doch jetzt gibt es nichts zu sehen. Nach dem Tod des Weibchens, das Anfang April offenbar einem Kampf zum Opfer gefallen ist, hält sich auch das Männchen - ein im Jahr 2014 in Westheim als brütender Storch registrierter Vogel - nicht mehr im Nest auf.

"Auf dem Mönchsturm tut sich in diesem Jahr nichts mehr", meint Jochen Willecke, der Hammelburger Storchenkenner. Irgendwann sei es schließlich zu spät für ein Gelege. Außerdem müsste sich ja erst einmal ein Paar finden. Bereits das vergangene Jahr lief für die Hammelburger Störche nicht gut: Sie blieben ohne Nachwuchs. Die beiden Küken, die geschlüpft waren, starben nach wenigen Tagen.

Wie damals können alle Storchenfreunde auch jetzt zumindest auf das Paar in Westheim setzen. Denn es brütet, wie Willecke bestätigt. Er hofft jetzt auf anhaltend besseres Wetter. Durch die kühle Witterung habe es schon viele Verluste unter den Jungstörchen gegeben, die früh geschlüpft seien, weiß er aus anderen Regionen zu berichten.

Der Kälteeinbruch vor einigen Tagen hat laut Willecke aber auch die gesamte Vogelwelt getroffen, besonders die früh brütenden Arten wie Amsel oder Meise. Der ersten Brut sei es nicht so gut ergangen. Es gebe Verluste. Die Kälte habe wohl die Futtersuche für die Tiere schwierig werden lassen, vermutet Willecke.

Die Vögel bekommen allerdings noch einmal Nachwuchs. "Amseln brüten drei bis viermal im Jahr." Und Willecke ist optimistisch, dass das Nest auf dem Mönchsturm bald wieder von Störchen bewohnt sein wird. Denn der Druck nehme immer mehr zu, da es immer mehr Störche gebe.