Es wäre der erste Fall dieser Art in Bayern in den vergangenen Jahren: Nachdem ein im Landkreis Bad Kissingen beheimateter Jagdhund wenige Tage nach einer Drückjagd bei Urspringen (Landkreis Main-Spessart) schwer erkrankte und eingeschläfert werden musste, besteht der Verdacht, dass sich das Tier zuvor beim Kontakt mit einem Wildschwein mit der auch als Pseudowut bezeichneten Aujeszkyschen Krankheit angesteckt haben könnte.

Der Vierbeiner wurde zur Untersuchung an das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit nach Erlangen geschickt. Dort wird der Jagdhund der Rasse Pudelpointer nun pathologisch untersucht. Wie Claudia Schuller, Pressesprecherin des Amtes, erklärte, handelt es sich um sehr aufwändige Untersuchungen. Laut Schuller gab es in den letzten beiden Jahren in Bayern keinen Fall eines an Pseudowut erkrankten Hundes.

Kampf zwischen den Tieren

Auch angesichts dieser Tatsache wartet man an den Veterinärämtern der Landkreise Main-Spessart und Bad Kissingen, in dem der Halter des Jagdhundes wohnt, nun gespannt auf das Ergebnis. Die Jagd bei Urspringen hat in der vorvergangenen Woche stattgefunden.

Dabei, so erzählt der mit dem Fall betraute Bad Kissinger Veterinäramtsleiter Bernhard Bundscherer, habe der Hund ein angeschossenes Wildschwein gestellt. Danach habe es wohl einen Kampf zwischen den Tieren gegeben.

Zwei Tage nach der Jagd sei der Hund dann "sterbenskrank" gewesen, schildert Bundscherer. Der Tierarzt, an den sich der Jagdhundebesitzer aus dem Raum Hammelburg wandte, habe anhand der Symptome sofort den Verdacht auf Pseudowut gehabt und dies, da es sich bei dieser um eine anzeigepflichtige Tierseuche handelt, dem Bad Kissinger Veterinäramt gemeldet.

Die Symptome der Aujeszkyschen Krankheit ähneln denen der Tollwut, weswegen sie auch Pseudowut genannt wird. Neben starkem Speichelfluss zählen auch auffallende Mattigkeit beziehungsweise Ruhelosigkeit zu den typischen Erscheinungen, daneben starker Juckreiz oder schwankende Bewegungen.

Hund wird eingeschläfert

Nachdem eine Therapie bei dem Hund keine Besserung bewirkte, musste das Tier eingeschläfert werden. Es wurde sofort nach Erlangen in die Untersuchungsanstalt gebracht. Bis von dort ein Ergebnis kommt, wird es wohl noch eine Woche dauern. Fest steht bislang laut Bundscherer nur: "Tollwut ist es nicht."

Sollte sich der Verdacht auf die Pseudowut bestätigen, wäre das Landratsamt Bad Kissingen ebenso wie das in Karlstadt zur öffentlichen Bekanntmachung veranlasst. Viel mehr kann man auch nicht tun. Denn Gegenmaßnahmen wie etwa Impfungen gibt es nicht. Bei Hunden bewirken diese nichts, bei Wildschweinen sind sie nicht praktikabel. Dass die Viren, die die für den Menschen völlig ungefährliche Aujeszkysche Krankheit verursachen, in hiesigen Wildschweinbeständen verbreitet sind, ist schon lange bekannt.

Aktuell, so zeigen die regelmäßig von erlegten Wildschweinen genommenen und in Erlangen untersuchten Proben, tragen rund sieben Prozent der Wildschweine die Viren bzw. entsprechende Antikörper in sich. Für erwachsene Wildschweine ist die Krankheit kein Problem. Für Hunde oder auch Katzen, die infiziert wurden, endet sie jedoch stets tödlich. Am meisten gefährdet sind naturgemäß Jagdhunde.

Das hat sich auch in Jägerkreisen längst herumgesprochen. Früher war es mitunter üblich, den vierbeinigen Jagdhelfern direkt nach dem Jagderfolg eine Belohnung in Form von rohen Innerein zu geben. Nach entsprechenden Informationsveranstaltungen der Kreisveterinärämter sind diese Zeiten jedoch vorbei.
Dennoch, so erklärt der für Main-Spessart zuständige Kreisveterinär Martin Korneli, könne man gerade bei Drückjagden Begegnungen zwischen Hunden und dem Blut oder Fleisch verletzter oder erlegter Wildschweine nie ganz ausschließen.

Während neben Jägern auch alle anderen Hundebesitzer darauf verzichten sollten, ihren Vierbeinern rohes Schweinefleisch zu geben, müsse man jedoch auch feststellen, dass das Fleisch selbst von infizierten Wildschweinen "für den menschlichen Verzehr unbedenklich" sei, so Martin Korneli. Johannes Ungemach