In der vergangenen Woche haben Bauhofmitarbeiter neue Tafeln an historischen Gebäuden und in den Altstadtgassen aufgestellt. Seitdem sind bereits Passanten zu beobachten, die vor den Schildern stehen bleiben, um die Texte zu lesen. Die Informationstafeln bieten Geschichte als "Stadtmenü in 2 Gängen" an.

Die beiden Besichtigungstouren durch Hammelburg ersetzen die bisherige Altstadtrunde. "Es ist ein weiterer Schritt hin zu mehr Attraktivität. Die Altstadtrunde war für ihre Zeit ein großer Schritt, doch ist sie in die Jahre gekommen", sagte Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) bei der Vorstellung des neuen touristischen Angebots.

Seit 2000 erzählten Tafeln auf der Altstadtrunde Hammelburger Geschichte. Viele der Schilder waren zuletzt aber stark verwittert, und die Strecke war für heutige Ansprüche zu lang. Den Ausgangspunkt für die Überarbeitung bildete zudem der Wunsch, das Stadtmuseum Herrenmühle aus seiner Randlage zu holen, wie Jochen Ramming vom Büro Frankonzept erklärte.


Wege in die Vergangenheit

Statt einer großen Altstadtrunde gibt es nun zwei Gänge, die der Besucher in etwa 45 Minuten absolvieren kann: Spaziergang 1 deckt schwerpunktmäßig den südlichen Teil der Altstadt ab, wo sich mit Rathaus und Kellerei schloss die herrschaftlichen Gebäude befinden. Spaziergang 2 führt in die nördliche Altstadt und bezieht nun die Museumsinsel mit der Herrenmühle in den Streckenverlauf ein. Die beiden Routen überschneiden sich, sodass sie problemlos kombinierbar sind. Einige der früheren Tafelstandorte sind weggefallen, neue sind dazugekommen.

Das "Stadtmenü in 2 Gängen" erzählt von "Wein, Geschichte und Menschen". "Es geht nicht nur um bedeutende Weltgeschichte, sondern auch um die kleinen Geschichten der Stadt, die interessant, berührend und erbaulich sind", erklärte Eike Lossin ("Der Kulturdoc"). Dabei finden erstmals auch zeitgeschichtliche Themen wie die Ankunft der DDR-Flüchtlinge ihren Platz (Info-Tafel am Hüter turm).

Lossin hat alle Texte neu verfasst. Es sei weniger Text als bisher, zudem seien die Informationen in einer einfachen und verständlichen Sprache geschrieben.

Den Zugang zur Hammelburger Historie soll ein Kniff noch erleichtern: Einzelne Persönlichkeiten, zum Beispiel Adolph von Dalberg, sprechen die Leser direkt an und berichten in der Ich-Form über ihr Leben.

Hinter den neuen Rundgängen steckt viel Arbeit, wie Ramming andeutete. Elfriede Böck vom städtischen Amt für Tourismus und Kultur ergänzte, dass die Suche nach Bildern und die Recherche der Abdruckrechte besonders viel Zeit gekostet habe. Dafür sind die Ausgaben unter der Schätzung geblieben. Ursprünglich war die Stadt von rund 26 000 Euro ausgegangen. Tatsächlich sind aber nur knapp 19 000 Euro angefallen.

Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau unterstützt die Stadt mit einem Zuschuss von 50 Prozent. Mit jeweils 500 Euro beteiligen sich der Weinbauverein, der Verein Tourismus Fränkisches Saaletal Hammelburg und der Förderkreis Stadtmuseum an den Ausgaben. Den Rest, rund 9000 Euro, übernimmt die Stadt.

Eine Tafel, die für den Viehmarkt, wird erst bei der Einweihung des umgebauten Platzes im kommenden Mai enthüllt. Sie erzählt die Geschichte der Marienkirche, die einst in dem Quartier stand. Bereits fertig sind die beiden Faltblätter zu den beiden Touren. Sie sind in der Tourist-Info erhältlich. Die Internetseite der Stadt wird auf die neuen Runden hinweisen.

Für die Gästeführer wird die Tourist-Info aus den beiden Angeboten einen kombinierten Spaziergang durch die Altstadt zusammenstellen. Einige Gästeführer konnten das "Stadtmenü" beim Eröffnungsrundgang testen. "Es gibt endlich eine kürzere Runde", meinte Christiane Schmid. Denn die Tendenz, so die erfahrene Gästeführerin, gehe zu kürzeren Touren. Und die Erzählungen der Persönlichkeiten machten die Besichtigung lebendiger.