Schön anzusehen, aber hochgiftig: das Jakobs-Kreuzkraut. Westheimer Pferdebesitzer haben es an der Kreisstraße KG 12 in der Nähe des Gewerbegebiets entdeckt und auch auf angrenzenden Wiesen und an Straßenrändern. "Wenn es sich auch auf den Saale wiesen ausbreitet, wo viel Grünfutter geholt wird, dann kann es auch für viele andere Pferde und Rinder gefährlich werden", sorgt sich Diana Reuter aus Westheim.
Ihr Pferd "Ambra" steht auf einer Weide an der Frankenstraße. "Ambra" ist zum Glück noch nichts passiert, aber die Stute einer befreundeten Pferdehalterin zeigte Symptome einer Lebererkrankung und bekam Krebs. Ob die Ursache tatsächlich der Verzehr des Krauts war, ist nicht mit Sicherheit nachzuweisen. Fakt ist aber, dass die Pflanze Pyrrolizidinalkaloide (PA) enthält, die sich in der Leber anreichern und Zhirrosen und Krebs verursachen können (siehe Infokasten).
Der städtische Bauhof habe wegen des Krauts an der KG 15 auf Anfrage an die zuständige Straßenmeisterei in Bad Kis singen verwiesen. "Die können aber erst in der nächsten Woche zum Mähen kommen", berichtete die Pferdehalterin. Dabei stehe das Jakobskreuzkraut jetzt staudenweise in voller Blüte.

Zur Selbsthilfe gegriffen

Die Tierfreunde haben in Westheim auch schon zur Selbsthilfe gegriffen und mit Handschuhen geschützt zahlreiche Pflanzen mitsamt Wurzel ausgerissen. "Im Raum Bad Brückenau, wo sich das Kraut massiv ausgebreitet hat, haben sich auch etliche Reiter zusammengeschlossen, um es gemeinsam zu bekämpfen", weiß Jana Reuter.
Dr. Bernhard Bundscherer, Leiter des Veterinäramtes in Bad Kissingen, bestätigte, dass das Thema Jakobs-Kreuzkraut zunehmend eine Rolle spiele. "Vor allem in der Landwirtschaft und für die Tierhaltung, insbesondere von Rindern und Pferden", so der Tierarzt. Doch auch für den Menschen stellten die Pflanzen mit ihren lebertoxischen Stoffen eine Gefahr dar. "Sie sollten deshalb mit geeigneten Methoden, noch vor der Blüte, bekämpft werden", meint der Amtsleiter. Wichtig sei zunächst natürlich das sichere Erkennen des Krautes. Es gebe nämlich zahlreiche Verwechslungsmöglichkeiten.

"Bislang keine Fälle bekannt"

Roland Lenhart, Sachgebietsleiter Umweltschutz im Landratsamt, erklärte auf Anfrage, ihm seien bislang keine Fälle von Vergiftungen durch JakobsKreuzkraut im Landkreis bekannt. Seines Wissens wachse das Kraut auch vor allem an Straßenrändern. Die Pflanze sei aber zweifellos hochgiftig. "Wer sich nicht sicher ist, ob es sich bei einer Pflanze um Jakobs-Kreuzkraut handelt, kann sich an uns wenden. Wir helfen dann bei der Bestimmung", sagte Lenhart. Das Kraut stehe unter keinem besonderen Schutz und könne daher von den jeweiligen Grundstücksbesitzern einfach beseitigt werden.
Allerdings breite sich die Pflanze schnell aus, ähnlich wie bei Ambrosia, und sei daher schwer in den Griff zu kriegen. "Auf jeden Fall ist es nicht Aufgabe des Naturschutzes, das Jakobs-Kreuzkraut zu bekämpfen", machte der Sachgebietsleiter deutlich.
Das Jakobs-Kreuzkraut, auch Jakobs-Greiskraut genannt, enthält höhere Konzentrationen an hoch giftigen Pyrrolizidin-Alkaloiden. Diese Stoffe sind besonders für Pferde und Rinder sehr giftig. Die Aufnahme von stark verseuchtem Futter führt nach wenigen Tagen zu akuten tödlichen Leberschäden. Niedrigere Toxinkonzentrationen im Futter haben chronische Leberschäden zur Folge. Eine Behandlung akuter und auch chronischer Vergiftungen ist im Regelfall hoffnungslos. Alle Kreuzkräuter sind in allen Entwicklungsstadien und besonders in der Blüte giftig. Die Toxine werden bei der Heutrocknung oder in der Grassilage kaum abgebaut. Während Weidetiere die Pflanzen aufgrund ihres Geruchs oftmals verschmähen, ist die Aufnahme als Heu oder Silage wenig eingeschränkt.