Die "gute Stube" platzte am Samstagabend fast aus allen Nähten ob der Besucherzahl, die den Marktplatz füllte auf dem die heimischen Winzer ihr Weinfest feierten. Unter dem Titel "Wein und Gaumenfreuden" ließ es sich an dem herrlichen Frühsommerabend offensichtlich trefflich genießen.
Da sei den Winzern gegönnt. Wie oft hatten sie in der Vergangenheit Pech mit ihrer Terminwahl und fielen in ein ungemütliches Regenloch? Diesmal mit einem glücklichen Händchen bedacht, hieß der Vorsitzende des Weinbauvereins, Stefan Ruppert, die Gäste bei strahlendem Sonnenschein willkommen, unter ihnen die Fränkische Weinkönigin, Kristin Langmann, die Hammelburger Weinprinzessin Antonia Müller sowie Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) und seinen Vorgänger Ernst Stross.

"Echtes Schöppelwetter"

Die Fränkische Weinkönigin formulierte in ihrem Grußwort "echtes Schöppelwetter in einem bezaubernden Weinstädtchen mit Ambiente". Obwohl aus Bullenheim, einem Weindörfchen knapp an der Grenze zu Mittelfranken, kannte sie die Saalestadt von einer Exkursion in "Frankens Saalestück" schon vor ihrer Wahl. "Sie können stolz sein auf ihre Weinberge und ihre Winzer, die bei aller Tradition die Innovation nicht vergessen", versicherte sie den Besuchern.
Bürgermeister Armin Warmuth unterstrich die Tradition des Weinbaus in Hammelburg, die die Geschichte der Stadt "wesentlich geprägt hat". Im Vorgriff auf das 1300-Jahre-Jubiläum im nächsten Jahr, dankte er dem Weinbauverein für sein Mitwirken denn die Winzer wollen zum Stadtfest einen gemeinsamen Wein präsentieren. Weinprinzessin Antonia Müller riet "zum Genießen mit allen Sinnen" aber auch zur Auseinandersetzung mit Lebensmitteln nach Frankenart.

Älteste Weinstadt

"Die Hammelburger Weine stehen denen in der Region in keinster Weise nach", betont Kristin Langmann, die den Sommer-frischen Rotling auf dem Weinfest lobt. "Hammelburg ist nicht nur als Weinstadt ein Begriff, sondern auch die älteste Weinstadt Frankens", beteuert die 22-jährige Weinkönigin, die als solche noch einiges vor sich hat. Im Rheingau und in Österreich präsentierte sie die Frankenweine schon doch Tokio und Shanghai stehen auch noch bevor. "Dafür habe ich mir zwei Urlaubssemester genommen", sagt die Studentin der Sozialarbeit an der Uni Würzburg.
Insgesamt sieben heimische Winzer sind mit ihren Produkten in das Fest eingebunden, die sie an einem Schoppen- und einem Verkostungsstand darbieten. Schlange stehen nehmen die Besucher für einen edlen Tropen in Kauf. Für die "feste Nahrung" sorgt diesmal die Familie Speil - Gastronomen aus Schweinfurt - und die Bäckerei Walter Emmert mit Spezialitäten aus der Region.
Aktuelles über den Weinbau an den Saaletalhängen weiß Weinbau-Vorsitzender Ruppert zu berichten. "Neben den fränkischen Traditions-Weinen bieten wir ausgewählte Tropfen am Verkostungsstand an, die auch als Bocksbeutel zu haben sind. Ein edler Kabinett-Silvaner, eine Beerenauslese, ein Sauvignon-Blanc sind im Sortiment", unterstreicht der junge Winzer, der versucht seine Weinbau-Erfahrungen aus Neuseeland mit einzubringen, wo er einige Monate praktizierte.

Empfehlung vom Experten

"Winzer müssen sich den Klimagegebenheiten hingeben", ist eine seiner Erkenntnisse, die er den heimischen Kollegen empfiehlt. Denn auch in Franken wachsen die Probleme im Weinbau durch zunehmende Trockenheit und die harte UV-Einstrahlung. Als Gegenmaßnahmen rät der Winzersohn zur Änderung der Anbaurichtung und zur anderen Hangneigung und Sonneneinstrahlung.
"Rote Weine gehen in Franken langsam zurück", stellte Stefan Ruppert fest. "Die Domina und der Spätburgunder haben nach wie vor ihre feste Bedeutung doch allgemein ist ein Abwärtstrend bei den Roten im Gange", bedauert er.
Den meisten Gästen aus der Region, Franken - wie ihr Wein von Natur aus etwas trocken - schmeckt das Produkt ihrer Winzer. Aber was sagen Menschen aus anderen Kontinenten dazu?
Yahema, eine sonnenverwöhnte, junge Mutter aus der Dominikanischen Republik, kennt guten Wein. Der herbe Tropfen des Frankenlands ist nicht unbedingt ihr Favorit. "Ich mag lieber süßen Wein", lächelt sie mit ihren vollen Lippen.