Zu früher Stunde, um sechs Uhr morgens, brachen rund 170 Pilger an der Stadtpfarrkirche St. Johannes unter Leitung von Edgar Denner zur Wallfahrt nach Vierzehnheiligen auf. Die Tradition, 1988 von Pfarrer Josef Treutlein ins Leben gerufen, jährt sich heuer zum 30. Male.


Ehrungen

In Machtilshausen, durch das auch der "Jakobsweg" führt, fand ein Gottesdienst statt, und ein Frühstück wartete am "Schreinersch-Haus". Hier würdigte Denner die Wallfahrer, die von Beginn an ununterbrochen an der anstrengenden Reise über rund 110 Kilometer teilnahmen. Dies sind Roland Sell, Maria Lutz, Siegfried Dill und Wallfahrtsführer Edgar Denner selbst. Für 25 Jahre Treue zum "Pilgerrock" dankte er Luzia Brendan, Alfred Meder, Hans-Gerd Sütfels (Bad Vilbel) und Peter Husch. Pfarrvikar Alexander Berger feierte seinen "Einstand" beim "Vierzehnheiligen-Marsch". Er lief die gesamte Strecke mit.
Günter Lutz, der Ehegatte von Maria Lutz, muss noch ein Jahr auf die Würdigung warten. Sonst gemeinsam mit seiner Gattin dabei, musste er die Pilgerreise einmal wegen eines Kuraufenthalts aussetzen. Gefragt nach seiner ersten Wallfahrt, meint er: "Da war alles ganz anders. Es war einfacher, wir hatten weder ein Sanitäts- noch ein Begleitfahrzeug dabei, nur einen Traktor mit einem Einachs-Anhänger. Doch wir wurden schon damals von unseren Quartierfamilien herzlich empfangen und gut verköstigt, so mit Schnitzel und so", lächelt der erfahrene Wallfahrer verschmitzt.
"Viele waren sich der Strapaze nicht bewusst und liefen sich Blasen. Sie dachten wohl, die Wallfahrt wäre ein gemächlicher Spaziergang. Oft halfen sie sich gegenseitig und sprachen sich Mut zu in der Form, dass sie nahe Objekte als Etappenziele, zum Beispiel einen Baum oder einen Strauch, als Nahziel auserkoren. Es gab etliche, die das letzte Stück, die Basilika in Vierzehnheiligen vor Augen, nicht mehr schafften und von den Mitwanderern gestützt, mit Tränen in den Augen das Gotteshaus betraten", berichtet Lutz.


An Aktualität nichts verloren

Das änderte sich im Laufe der Jahre grundlegend. Auch heute setzt die Wallfahrt immer noch körperliche Fitness voraus, doch steht ein Lkw für den Gepäcktransport bereit. Sanitäter am Zug-Ende behandeln in den Pausen Blasen oder andere "Wehwehchen", und in Transportfahrzeugen dürfen sich Erschöpfte auf einem Stück Fahrt erholen. Zudem richten die Organisatoren eine Buswallfahrt ein, bei der ein Charterbus die Teilnehmer am Samstag zum Ziel und am Sonntag zurück nach Hammelburg bringt.
"Die Vierzehnheiligen-Wallfahrt hat auch heute nichts von ihrer Aktualität und Beliebtheit verloren", stellt Denner fest. Auch jüngere Teilnehmer sind im Pilgerzug anzutreffen, die Glaube und Besinnung über die Errungenschaften neuer Kommunikationstechniken stellen. Darüber freut er sich besonders.