Die nächste Patientin wartet schon auf Luisa Thederan. Die Ärztin schaut sich die Augen der Seniorin genau an, untersucht den Augendruck und die Netzhaut. "Wir machen ein gründliches Screening", erklärt Thederan. Noch bis in die kommende Woche hinein arbeitet die Ärztin der Universitäts-Augenklinik Würzburg in einer provisorisch eingerichteten Praxis im Dr.-Maria-Probst-Seniorenheim.

Die Untersuchungen sind Teil eines Modellprojekts, das die Blindeninstitutsstiftung Würzburg initiiert hat. Zusammen mit der Augenklinik, dem Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund sowie der Johann Wilhelm Klein-Akademie wird erfasst, wie hoch der Anteil sehbehinderter Menschen in Senioreneinrichtungen ist. "Wir wollen einen Querschnitt für Unterfranken haben", sagt Projektleiterin Sabine Kampmann.

Mitarbeiter sensibilisieren

Zu den Häusern zwischen Aschaffenburg und Bastheim, die als Mitglieder des Caritasverbands teilnehmen, gehören das Dr.-Maria-Probst-Seniorenheim und das Bürgerspital - und auch im Münnerstädter Raum sind Einrichtungen dabei. Mitarbeiter und Angehörige sollen für die Probleme sehgeschädigter Personen sensibilisiert werden. "Es ist wichtig für die Frage, was ich einer Person zutrauen kann", sagt Kampmann. Sie nennt das Basteln als Beispiel: Wenn man weiß, wie gut oder schlecht ein Bewohner sieht, kann man die Größe des Bastelmaterials anpassen.

Bei dem Projekt sind speziell Demenzerkrankte berücksichtigt. "Bei einem Demenzpatienten wird oft nicht daran gedacht, dass er vielleicht nicht gut sieht und dadurch Probleme mit der Orientierung und dem Erkennen hat", sagt Andrea Eckert, Leiterin des Dr.-Maria-Probst-Seniorenheims. Dabei ist eine Untersuchung auch bei Menschen möglich, die sich nur noch eingeschränkt ausdrücken können. "Es gibt nonverbale Sehtests, die die Blindeninstitutsstiftung bei der Arbeit mit Menschen mit mehrfacher und geistiger Behinderung entwickelt hat", erklärt Kampmann.

Versorgung vernachlässigt

Diese basieren vor allem auf der Beobachtung von Augenbewegungen: Dem Patienten wird eine längliche Tafel mit einem Strichmuster gezeigt, dem die Augen unweigerlich folgen. Die Muster sind unterschiedlich fein aufgelöst und bieten je nach Sehschärfe den Augen irgendwann keinen Ankerpunkt mehr.

Viele alte und hochbetagte Menschen sind oft Jahre lang nicht mehr beim Augenarzt gewesen - ein allgemeines Defizit, das Kampmann besonders bei mobilitätseingeschränkten Senioren sieht. Sie bestätigt, dass die augenärztliche Versorgung meist vernachlässigt wird.

Mit dem Projekt will die Blindeninstitutsstiftung nicht nur Angehörige und Mitarbeiter für das Problem sensibilisieren. Am Ende werden in einem Leitfaden Empfehlungen für die Senioreneinrichtungen zusammengefasst. So soll schon bei der Aufnahme der Bewohner an die augenärztliche Versorgung gedacht werden. Und Eckert hofft, dass mit Hilfe des Projekts ein Augenarzt gewonnen werden kann, der die Einrichtung regelmäßig besucht.