In der zweiten Runde warten einige Fallstricke auf die 16 Schüler. Jeder von ihnen muss eine Passage aus einem französischen Text vorlesen, den er bisher nicht kennt. In der einen oder anderen Zeile stecken neue Wörter. Die Jugendlichen bemühen sich, die Vokabeln möglichst akkurat auszusprechen, auch wenn das nicht immer klappt. Doch das ist so gewollt.

Die Schüler sollen die allgemeinen Ausspracheregeln anwenden. "Wenn sie in Frankreich wären, müssten sie sich auch mit unbekannten Wörtern auseinandersetzen", sagt Ulrike Lutz, Französischlehrerin an der Realschule Hammelburg. Unterstützt vom Elternbeirat organisiert sie in diesem Jahr den Lesewettbewerb.

Jury bewertet

Neuntklässler aus fünf Realschulen - aus Hammelburg, Arnstein, Bad Kissingen, Bad Neustadt und Bad Brückenau - nehmen teil. Der Wettbewerb ist einmalig in Unterfranken, wie Horst Karch erklärt. Der Ministerialbeauftragte für die Realschulen in Unterfranken setzt aber darauf, dass sich auch in anderen Regionen Schulen zusammenfinden, um eine ähnliche Veranstaltung auszurichten. Die Anregung will er in die Direktorenrunde der 47 Realschulen im Zuständigkeitsgebiet tragen.

Die Idee für den Wettbewerb, der bereits zum dritten Mal stattfindet, kam aus Bad Neustadt. In der ersten Runde lesen die Neuntklässler einen bekannten Text. Den konnten sie im Unterricht und Zuhause üben, wie Schüler Constantin Martin erklärt. In der zweiten Runde ist dann ein unbekannter Text an der Reihe. Dennoch war der Wettbewerb nicht so schwer, wie er es sich vorgestellt hatte, sagt Constantin Martin. Eine Jury aus Lehrern bewertet die Vorträge.

"Ich finde es toll, dass die Jugendlichen den Mut aufbringen, sich dem Vergleich zu stellen", meint Nathalie Liebelt. Die gebürtige Französin, die in der Bad Brückenauer Gegend lebt, gehört als externe Person der Jury an.
Die Klassen suchen ihre Vertreter für den Wettbewerb in internen Vorleserunden selbst aus. Für den Ministerialbeauftragten ist es eine gute Möglichkeit, für Französisch an den Realschulen zu werben. Für Lutz geht es auch um Verständnis für andere Länder. Die Schüler zeigten Offenheit, indem sie sich über Englisch hinaus für eine zweite Fremdsprache entschieden haben. Dieser Aspekt ist der Lehrerin aus aktuellem Anlass besonders wichtig. Mit ihren Klassen habe sie auch über die Anschläge auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo gesprochen. Das sei den Schülern ein Anliegen gewesen.

Patricia Steinbach aus Bad Neustadt gewinnt diesmal den Lesewettbewerb und einen Buchpreis. Im kommenden Jahr richtet die Realschule Arnstein die Veranstaltung aus.