Die Premiere des "Fairmarkt" entpuppte sich als weiterer Baustein zur Belebung des Viehmarkts, den immer mehr Veranstalter als ideales Terrain für sich entdecken. Diesmal stand die "Fairtrade-Stadt" Hammelburg mit ihrer Vielfalt von Produkten aus der Dritten Welt - vor allem aber mit der damit verbundenen Ideologie - im Mittelpunkt.

Gerechtes Entgelt für gute Arbeit, die zudem der Ökologie und dem Umweltschutz dient - dieser Denkansatz gab die Richtung vor. "Ich finde es toll, dass der Viehmarkt erneut als Kulisse gewählt wurde und finde es noch besser, dass der faire Handel hier ein Sprachrohr findet", quittierte Bürgermeister Armin Warmuth das Engagement der Veranstalter.

Die Leitung der Fairtrade-Stadt Hammelburg und das Team des "Weltladens" in der Bahnhofstraße, Schüler aus der Jakob-Kaiser-Realschule und des Frobenius-Gymnasiums, die katholische und die evangelische Kirchengemeinde, die Lebenshilfe sowie einheimische Geschäftsleute richteten die Freiluft-Veranstaltung gemeinsam aus.

Nicht nur Bananen und Kaffeebohnen, sondern vielerlei Kulinarisches der Region und nach Machart ferner Länder sowie Textilien aus ökologischem Anbau fanden hier ihre Freunde. Informationen zur Unterstützung des fairen IT-Technik-Handels lieferte Stadtpfarrer Thomas Eschenbacher mit dem "Fairphone" und einer Handy-Sammelaktion. Selbstverständlich standen auch Rosen aus fairem Anbau für "Fair-Ladys" zur Verfügung.


Besucher finden´s fair

"Wir kennen das aus Nürnberg, aber ich wusste gar nicht, dass es so etwas auch hier gibt", meinte eine Besucherin, die mit ihrem Gatten gelegentlich in der Saalestadt weilt. "Wir finden solche Aktionen gut, weil sie dem reellen Zweck dienen und Menschen helfen, ihre Situation zu verbessern", fügte sie hinzu.

Von Annemarie Fell eröffnet, brach auch deren Gatte, der ehemalige Bundestagsabgeordnete, Hans-Josef Fell, eine Lanze für den Fairtrade-Gedanken. "Diese Bewegung will den Menschen eine Lebensgrundlage geben, die keine haben. Sie ist im Wachsen: 3,4 Prozent der Artikel in den Supermärkten sind bereits Fairtrade-Ware. Es sollten 100 Prozent sein", meinte der Ex-Grüne. Doch die Konzerne unterlaufen solche Vorhaben mit ihren Exporten, meint er. "Verbraucher sollten sich deshalb bewusst zugunsten gerechter Löhne und Arbeitsbedingungen entscheiden."

Fairer "Brasilian Sunrise" ist an heißen Tagen ein optimaler Durstlöscher. Gemixt aus Orangen-, Apfel-, Mango- und Zitronensaft mit einem Schuss Grenadine und zerstoßenem Eis, rinnt er wohltuend frisch die Kehle hinunter. Hört der Genießer dazu die Trommelschläge der Djemben und Congas der Percussions-Gruppe von Ute Strehler, schwingt ein Hauch von exotischen Fernen mit.

Die Modenschau, von Monika Mützel fachlich moderiert, zeigte, dass die Textilproduzenten ökologischer Kleidung mithalten können. Hanf heißt das Zauberwort für bequeme, hautfreundliche, luftige und modische Kollektionen, die auf umweltfreundlicher Basis hergestellt werden und auf große Werbung und Handelsvertreter verzichten.

Von den Klängen der Band "Hippy-Trail" begleitet, beteiligte sich die Lebenshilfe mit einem Torwandschießen an der Präsentation - natürlich mit Fairtrade-Bällen - die Pfarrer Eschenbacher am Schluss der Veranstaltung versteigerte. Der Pfarrer versteht sich als Auktionator und brachte das Spielgerät zu Bestpreisen unter die Leute. Und der Viehmarkt - gut Ding braucht Weile - hat sicherlich wieder einige Freunde hinzugewonnen.