"Ich habe Vertrauen zu den Gymnasiasten", sagt Grundschülerin Selina, als ihr die Augen verbunden werden. Sorgsam wacht Sarah Rögner aus der Klasse 12Q darüber, dass Selina nicht umkippt, wenn diese blind und mit bloßen Füßen über den vorbereiteten Parcours "Fußfühlstraße" läuft. "Das ist Sand, das ist Mulch und das ist Kies", erkennt die Kandidatin. Auch mit den Händen werden Gegenstände in verschlossenen Boxen erfühlt.
Die Augen werden in einem anderen Klassenzimmer der Saaletal-Schule noch einmal verbunden, wenn es um die Riechproben geht. Kräuter, Asche, Weihnachtsdüfte, Citrusfrüchte sollen mit der Nase erkannt werden. Watte, gekochte kalte Spaghetti, Schrauben, trockene Erbsen, Legosteine, Luftballons und Federn in den Boxen sind mit den Händen zu ertasten. Auch die Zunge ist gefordert, wenn es um den Geschmack von verschiedenen Säften geht.

Welches Bärchen schmeckt wie?

Außerdem gibt es eine Überraschungsbox mit Gummibärchen, deren Fruchtinhalte zu erraten sind. Klänge und die optische Orientierung vor einer bewegten Streifenwand ergänzen das Angebot der Sinneswelt. Routierend per Laufzettel machen rund 50 Saaletal-Schüler an den fünf vorbereiteten Stationen Halt und testen voller Interesse ihre Sinne.
"Dieses Seminar hat uns viel gebracht", bestätigt Gymnasiastin Susanna. Schon von der Vorbereitung der Sinneswelt an sei diese Aktion lehrreich und interessant gewesen. "Insbesondere mit den jüngeren Schülern zu arbeiten, hat mir neue Erkenntnisse eingebracht", sagt sie. "Die Saaletal-Schüler waren sogar begeistert", ist Susanna froh. "Die Kinder haben beim Probieren dazugelernt", meint Gymnasiastin Antonia. Bei so viel Altersunterschied habe man sich an den Umgang mit den sehr viel Jüngeren erst einmal gewöhnen müssen, doch nach kurzer Zeit habe es "locker" geklappt. Nach einem Jahr P-Seminar fließt die Bewertung der Gymnasiasten in deren Gesamtbewertung ein. "Auch meine soziale Kompetenz steht dann im Blickfeld", ist Antonia überzeugt.
Man lerne, Projekte zu planen und genau durchzuführen, finden es auch die übrigen 15 Seminarteilnehmer gut. "Es war eine total neue Erfahrung", bestätigt ein weiterer Teilnehmer. Auch die Seminarleiterin, Biologielehrerin Eva Zink, ist positiv vom Erfolg überzeugt: "Die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Schularten war wichtig und sie funktionierte sehr gut", sagt sie.
Da habe jeder etwas Positives mitnehmen können. Geistige Barrieren seien abgebaut worden. "Unsere Schüler, die ansonsten schon mal Probleme mit der Aufmerksamkeit oder Wahrnehmung haben, sind heute kaum wiederzuerkennen", freuen sich die Saaletal-Lehrerinnen über die vorbildliche Beteiligung ihrer Schülerinnen und Schüler. Hammelburger Betriebe unterstützten die Aktion "Wunder bare Welt der Sinne" mit ihren Spenden.