Von der Sandsteintreppe seines Hauses in der Dalbergstraße aus beobachtet Leo Kühnlein immer das Geschehen in der Altstadt. "Auf die Stiege war ich immer neidisch. Wenn ich so eine Treppe gehabt hätte, hätte ich mich auch hingesetzt, um nicht so viel arbeiten zu müssen", frotzelt Georg Stein. Er und Kühnlein sind Winzerkollegen aus vergangenen Tagen. Bei der zweiten Ausgabe der Gesprächsreihe "erlebt und erzählt" berichten sie, wie der Weinbau in Hammelburg einst ausgesehen hat.

"Der Vater hat erst den Stall gemacht, dann ist er raus in den Wengert", sagt Kühnlein. Denn damals lebten die meisten nicht ausschließlich von Weinbau, sondern auch von der Landwirtschaft. Sie hatten Äcker, Vieh und Weinberge. "Es war immer ein langer Tag", meint Stein lapidar, als Moderator Ernst Stross fragt, wie den der Tagesablauf ausgesehen habe. Und wer seine Frau geärgert hatte, musste draußen im Wengertshäuschen schlafen, scherzt Kühnlein.

Der 88-Jährige und sein ein Jahr jüngerer Kollege bringen den ganzen Erzählabend über das Publikum mit Anekdoten und kleinen Scherzen zum Lachen. Die Zuhörer beteiligen sich auch selbst an der Gesprächsrunde und werfen hin und wieder ein, was ihnen noch aus der Vergangenheit im Gedächtnis hängen geblieben ist.

Fast jede alteingesessene Familie hatte ja mal was mit Weinbau zu tun. An das Ausbürsten der Fässer zum Beispiel erinnern sich nicht nur Stein und Kühnlein. So entsteht ein amüsanter und lebendiger Gesprächsabend, der aus einer sehr persönlichen Warte aus auf die lokale Geschichte blickt - jenseits von trockenen Zahlen und Daten. Das ist der Anspruch der neuen Veranstaltungsreihe "erlebt und erzählt". Den nächsten monatlichen Termin gibt es im Januar.