Zum letzten Mal zünden Gläubige Kerzen auf dem Marktplatzpflaster an. Zum letzten Mal versammeln sich rund 40 Anhänger von "Kirche in Bewegung" (KiB) im Kreis um die Lichter, um zu beten und "We shall overcome" und "Caminando va" zu singen. Es ist das letzte Donnerstagsgebet auf dem Marktplatz.

"Es ist wieder Ruhe und Normalität eingekehrt", sagt Reinhard Beichel. Er erinnert an den Oktober 2009, als die Gruppe zum ersten Mal in Dunkelheit und Regen auf dem Marktplatz stand. Beichel erwähnt den Medienrummel und die vielen Leute. "Die Betroffenheit war groß. Die emotionale Gefühlslage in der Pfarreiengemeinschaft erlebte damals im Oktober 2009 stürmische Wochen", beschreibt Beichel.

Doch der Wirbel, den die Suspendierung des damaligen Stadtpfarrers Michael Sell verursacht hatte, nachdem dieser sich öffentlich zu Kind und Frau bekannt hatte, hat sich mittlerweile gelegt. Die Gräben in der Pfarreiengemeinschaft haben sich geschlossen.

Damit ließ auch die Mobilisierungskraft von KiB nach. Es fanden sich zuletzt immer weniger Leute, die die Donnerstagsgebete gestalten wollten, wie Beichel erklärt. Dadurch blieb die Vorbereitungsarbeit bei den wenigen hängen, die sich auch sonst in der Pfarrgemeinde engagieren. Zunächst wöchentlich, fanden die Donnerstagsgebete später nur noch 14-tägig in der Kirche statt. So um die 20 Personen nahmen jüngst meistens teil - kein Vergleich zu der Anfangszeit, als die Donnerstagsgebete die Kirche füllten.

Die Anliegen von KiB lösten sich schnell von der Person des suspendierten Stadtpfarrers. Es ging allgemein um Reformen in der Kirche, wie ein Anhänger erklärt. Diskussionen, ein "Reform-Aktionstag" und eine Unterschriftensammlung anlässlich der Bischofskonferenz in Fulda wurden organisiert.

Erwartungen an den Papst

Viele Anhänger von KiB sind überzeugt, dass die Donnerstagsgebete den Gläubigen über die "Frustrationen in der Auseinandersetzung mit den Problemen ihrer Amtskirche" hinweggeholfen haben, wie es Beichel formuliert. Ohne KiB hätten vielleicht viele Hammelburger Katholiken der Kirche den Rücken gekehrt.

Nun, nach fünf Jahren, hätten die meisten Frieden mit ihrer Kirche geschlossen. Aber: "Die Hoffnung auf Erneuerung wird nie schwinden." Die Anhänger von KiB setzen auf Papst Franziskus. Sie sehen ihn auf ihrer Seite.
Durch die Vorbereitung der Donnerstagsgebete hätten viele die Scheu davor verloren, einen Wortgottesdienst zu gestalten. Beichel: "Wir wissen nun, wie es geht. Wir haben sehr viel gelernt." Diese Erfahrung soll mit dem Ende der Donnerstagsgebete für die Pfarrgemeinde nicht verloren sein. So kann sich Beichel vorstellen, dass die KiB-Leute zum Beispiel einmal einen Rorate-Gottesdienst mitgestalten. Es gibt auch die Überlegung, immer zum Jahrestag im Oktober an die Anliegen von KiB zu erinnern.

Und auch wenn die Marktplatz-Donnerstagsgebete nun vorbei sind, werden die Donnerstagsgebete in der Kirche noch einige Wochen fortgesetzt. Die wirklich letzte Veranstaltung ist am 18. Dezember.