Michael Wehner holt mit dem Arm aus, um ein Hüpfseil in Schwung zu bringen. Feline ist eine der Schülerinnen, die gerne Seil springt. So auch an diesem Morgen. Andere Drittklässler spielen auf dem Busplatz an der Grundschule Fußball oder laufen auf Stelzen. Nach 15 Minuten ist der Spaß vorbei. Dann geht es wieder in den Unterricht.

Jede Woche sorgen Eltern dafür, dass die erste Unterrichtspause für die Hammelburger Grundschüler nicht langweilig wird. Die Kinder können draußen spielen und je nach Saison zusätzlich im Schulgebäude malen, basteln, Tischspiele ausprobieren oder eine Geschichte hören. Ehrenamtliche organisieren das alles seit nun 15 Jahren.

Die Grundschule möchte das Angebot "Pausen(t)räume" nicht missen. Sie ist den engagierten Eltern dankbar, wie Konrektorin Barbara Jenkner sagt. Zu den Initiatorinnen von vor 15 Jahren gehört Petra Jobst, damals Vorsitzende des Elternbeirats. Mit dem Projekt "Pausen(t)räume" erweiterte sie erste Ansätze ihrer Vorgängerin.

Kinder toben sich aus

"Wir haben einen Spendenaufruf gestartet. Dann bin ich auf Einkaufstour gegangen, um Bälle und Spielsachen zu beschaffen", berichtet Jobst. Seitdem finden die "Pausen(t)räume" am Montag für die ersten Klassen, am Dienstag für die zweiten Klassen, am Mittwoch für die dritten Klassen und am Freitag für die vierten Klassen separat auf dem Busplatz statt.

Das entzerrt die Pausenplätze. Das Spielangebot gibt den Kindern die Gelegenheit sich auszutoben. Das soll unter anderem Reibereien untereinander vermeiden helfen. Der Aspekt der Gewaltprävention stand zu Anbeginn des Projekts, erklärt Gesine von Postel. Das Angebot soll auch verhindern, dass einzelne Schüler in den Pausen alleine dastehen.

Das Team der Ehrenamtlichen erlebt einen ständigen Wechsel: Sobald die eigenen Kinder die Grundschule verlassen haben, steigen Eltern aus und neue kommen dazu. So wie vor einigen Jahren Jobst und von Postel sind heute unter anderem Mandy Lacey und Vitha Rettinger für das Projekt verantwortlich. Lacey koordiniert die Betreuung der ersten Klassen, Rettinger die er zweiten Klassen.

Für sie wird es aber immer schwieriger, das Angebot am Leben zu halten. Nur eine Handvoll Eltern sind bereit, mitzuhelfen und das Spielzeug vor den Pausen bereitzulegen, die Kinder zu betreuen und die Sachen wieder aufzuräumen. "Dabei ist es keine große Sache. Man muss nicht den Animateur geben. Es reicht, wenn man in den Pausen einfach da ist", erklärt Rettinger.

Sie will den Kreis der Helfer um Großeltern und weitere Engagierte ausdehnen. Das Team hat jüngst zumindest schon drei junge Frauen aus der Flüchtlingsunterkunft im "Hirschen" gewinnen können. Sie schenken ihre Zeit und geben damit einen Teil der Hilfe, die sie selbst erfahren, zurück, findet von Postel lobenswert.