Die Besucher drängten sich am Samstagabend in den Diebacher Pfarrsaal zur Eröffnung der Ausstellung "Leben auf dem Dorf". Es ist eine Gemeinschafts-Ausstellung der Direktion für Ländliche Entwicklung und des Bezirks Unterfranken. Das Sahnehäubchen aber waren die zusätzlichen rund 250 historischen Fotos aus Diebachs alten Zeiten.
Am Mittwoch, 2. März, gibt es einen Vortrag über die heimischen Bau- und Flurdenkmäler von Dr. Matthias Wieser im Gasthaus Karl um 19.30 Uhr. Die Ausstellung im Pfarrsaal ist an den Sonntagen, 6. und 13. März, zwischen 14 und 18 Uhr geöffnet.
"Wer seine Wurzeln nicht kennt, der kennt keinen Halt", zitierte Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) den Schriftsteller Stefan Zweig. Gerade in Zeiten der laufenden Dorferneuerung sei es besonders wichtig, dass die Geschichte von Diebach nicht verloren gehe. Warmuth, selbst ein Diebacher, reihte diese Ausstellung in die Ereigniskette des Jubiläumsjahres "1300 Jahre Hammelburg" ein.


Der Zusammenhalt zählt

"Dorferneuerung ist weit mehr als die Sanierung von Straßen und Gebäuden", sagte Otto Waldmann von der Direktion Ländliche Entwicklung. Dorferneuerung müsse auch in den Köpfen der Bewohner stattfinden. "Ich freue mich, dass diese Ausstellung von der Bevölkerung mitgetragen wird", lobte Waldmann die große Besucherzahl. "Der Zusammenhalt prägt das Dorfleben", sagte die stellvertretende Landrätin Monika Horcher (Bündnis 90 / Die Grünen). In Diebach entdecke sie Lebensqualität, engagierte Bürger und ein gut funktionierendes Dorfleben.
Ein sehr altes Foto stammt von Gottfried Mathes. Darauf ist das ehemalige Wohnhaus aus der Diebacher Straße zu sehen, das abgerissen wurde und einem Neubau wich. "Da hängen Jugenderinnerungen dran", sagt der Sohn Berthold Mathes. "Die Geschichten hinter den ausgestellten Fotos sind wichtig", betonte Ortsbeauftragte Elisabeth Assmann (Bündnis 90 / Die Grünen), die zusammen mit Fritz Gensler auch im Arbeitskreis "Dorfleben" tätig ist. Sie dankte nicht nur dem Pfarrgemeinderat für die zur Verfügung gestellte Räumlichkeit samt Bewirtung sondern auch dem Diebacher Geschichtskreis für dessen rege Arbeit für diese Ausstellung.
Assmann meinte damit zum Beispiel Fritz Gensler, Waldemar Hauk, Hilmar Gensler und Erhard Bischof aus dem Diebacher Geschichtskreis. "Im vergangenen November haben wir mit der Ausstellungsvorbereitung angefangen", bestätigen sie. Anfangs sei es nicht so leicht gewesen, die privaten Bilder einzusammeln. Doch als die Aktion ins Laufen kam, sei eine Flut Fotos geflossen.
Und dann mussten diese Bilder sorgsam mit schriftlichen Hinweisen bearbeitet werden. "Die Zeit war eng bemessen", sagen die ehrenamtlichen Heimathistoriker. Mit den Arbeiten zur benachbarten Wanderausstellung (41 Stellwände aus dem Bezirk) waren die Diebacher nicht in der Pflicht. Die Motive der Diebacher Fotos reichen von Familienidyllen über alte Dampfmaschinen und landwirtschaftlichen Fahrzeugen bis hin zu Kommunion- und Schulbildern oder dem früher ausgeübten Brauch des Kirchweih-Begrabens.


Schule im Blick

Die Schulchronik durfte ebenfalls nicht fehlen. Sie stammt aus der Feder von Herbert Pramstaller, der ab 1966 als Lehrer und ab 1981 als Schulleiter in Diebach bis zur Schließung 2007 tätig war. "Das erste Schulhaus stammt aus dem Jahre 1710", ist in der Chronik nachzulesen. Das Gebäude steht heute noch zwischen Pfarrhaus und dem ehemaligen Lebensmittelladen Trips. Pramstaller dokumentierte das Diebacher Schulwesen bis zum Neubau samt Erweiterung. Seine Chronik ist stark gefragt. Nur noch wenige Exemplare liegen zum Erwerb bereit. Es gibt auch noch den Kirchenführer der Pfarreien-Gemeinschaft Am Sturmiusberg und eine Broschüre der Flurdenkmale und Bildstöcke.