Über 7000 Kilometer sind 35 Studenten angereist. In Hammelburg wollen die Chinesen gut eine Woche am eigenen Leib spüren, wie Deutschland tickt. Und mit welchen Kniffen Musiker im Mutterland der Klassik ihren Instrumenten die Kompositionen der alten Meister entlocken.

Das zweite Kulturfestival "Kunst und Frieden" an der Bayerischen Musikakademie nach 2013 soll den Kulturaustausch mit dem Reich der Mitte voran bringen. Schon jetzt ein Tipp ist das Abschlusskonzert am Freitag, 29. August, um 19.30 Uhr. Bereits am Montag ließ das Eröffnungskonzert aufhorchen.

Kern des Festivals sind Meisterkurse für Violine und Klavier unter prominenter Anleitung. Neben den chinesischen Dozenten ist wie im Vorjahr als künstlerischer Leiter Professor Adam Kostecki (Hannover) dabei. Er war unter anderem Schüler von David Oistrach.

Unternehmen machen mit

Dieses Jahr ist der Ansatz des Festivals etwas kleiner gewählt. 2013 waren 70 Musiker mit von der Partie. Darunter sieben Mitglieder des Chinesischen Volkskammerorchesters aus der Provinz Liaoning, die sich auf 100 Konzerte in Europa vorbereiteten, darunter auch in der Chinesischen Botschaft in Berlin. Sie hatten sogar ihre traditionellen historischen Instrument von der Pipa bis zur Gu Zheng dabei. "Der Transport wäre dieses Mal zu aufwändig", sagt Mu Zhang (Hessisch Lichtenau).

Sie ist die Präsidentin des Kulturvereins Kolonnade. Er hat 200 Mitglieder, die sich dem Kulturaustausch verschrieben haben. Darunter auch bedeutende Wirtschaftsunternehmen. Unterstützung gibt es für die Veranstaltung auch vom Freistaat und vom Bezirk.

"Die Bedingungen sind ideal", lobt Professor Adam Kostecki zum Umfeld an der Akademie. Das länderübergreifende Musizieren sei nicht hoch genug einzuschätzen. Erst mit dem Erleben von Architektur und Landschaft lerne man einen kulturellen Partner besser zu verstehen. "Wo doch alles immer technisierter und optimierter wird", bedauert Kostecki. Die Studenten lauschen hingebungsvoll seinem Violinenspiel und greifen Ratschläge dankbar auf.

"Wir müssen sehr aufpassen", sagt Klavierdozent Iwan Urwalov angesichts der aktuellen Krisen auf der Erde. Vor 22 Jahren kam er aus Russland und schätzt das verbindende an der Musik. Deswegen hängt sein Herz an dem Festival. Die jungen Musiker aus Fernost nehmen seine Ratschläge gerne an. Sie schwärmen vom Unterricht, aber auch von der Landschaft und der sauberen Luft.

Chinesische Kalligrafien

Erweitert zeigt sich in diesem Jahr die Bilderausstellung. Fünf renommierte zeitgenössische chinesische Maler lassen sich bei ihrem leichthändigen Schaffen mit Wasser- und Ölfarben und dem Erstellen von Kalligrafien mit traditionellen chinesischen Buchstaben über die Schultern schauen. Beeindruckend wird deutlich, was im antiken China als Zeichen höherer Bildung unverzichtbar war: Der Umgang mit den vier Schätzen des Gelehrtenzimmers: Stangentusche, Reibstein, Schreibpinsel und Papier. 2015 möchte Mu Zhang einen kleinen Ferienmalkurs für Hammelburger Kinder anbieten. Wolfgang Dünnebier