Jahrzehnte war der Weinbau im Hammelburger Stadtteil Untererthal aus dem Blick geraten. Inzwischen ist der Ort an der Thulba wieder Adresse für Weinliebhaber. Dafür sorgt ein Quereinsteiger. Klaus Schäfer hat zusammen mit der Familie als Schäfers Weingut viel vor. Der Betrieb will weiter expandieren und nach Möglichkeit auf Vollerwerb umstellen. Ende Mai ist die Eröffnung einer eigenen Vinothek geplant.

Grundlage bilden die neu bepflanzten Weinberge in der Lage Trautlestal westlich oberhalb des Ortes. "Es ist langsam gewachsen", blickt Klaus Schäfer zurück. Der heute 60-Jährige übernahm vor gut 20 Jahren neben seiner Landwirtschaft die Betreuung der Weinberge des Staatlichen Hofkellers im Seeshofer Tal. Es waren bewegte Tage rund um die Präsenz der Würzburger in Hammelburg. Eigentlich wollte sich der Freistaat von seinen zehn Hektar Weinbergen trennen. Doch dann strukturierte der Betrieb um.


Traum von eigenen Wengert

Schäfer blieb dem Betrieb treu und entdeckte sein Herz für einen eigenen Wengert. "Alle Mitarbeiter hatten nebenbei einen eigenen Weinberg", erinnert er sich schmunzelnd, nur ich nicht".

Schäfer griff zu, als der letzte Untererthaler Weinberg mit einer Fläche von 1500 Quadratmetern östlich des Stadtteiles zur Verpachtung stand. Der Erfolg gibt ihm recht. Schäfers steigerten die Anbaufläche nach und nach auf zwei Hektar. Nachdem er wegen eines geltenden Anbaustopps zahlreiche bürokratische Klippen umschifft hatte, wagte er mit Neuanlagen den Sprung auf die andere Seite des Thulbatales. "Früher gab es rings um Untererthal viele Weinberge", weiß Schäfer. Diese Tradition greift die Familie gerne auf, zumal Vorfahren auf dem eigenen Hof auch Weinberge bewirtschafteten. Zum Dorfjubiläum 1225 Jahre Untererthal nahmen Schäfers das eigene Kellereigebäude mit Flaschenlager in Betrieb. Inzwischen ist die bewirtschaftete Fläche auf drei Hektar angewachsen.

Die ganze Familie steht hinter dem Vorhaben. Frau Karin (56) schmeißt daheim den Weinverkauf und die Buchführung. Tochter Julia (25) bringt Ideen rund um das Marketing ein. Inspiriert ist sie durch ihr abgeschlossenes Studium für Kultur- und Freizeitmanagement. Aktuell paukt sie für ihren Master im Internationalen Weinmarketing an der Fachhochschule in Eisenstadt, Österreich.

Drei Tage in der Woche arbeitet sie im Weingut und Weinhotel des Familienweinguts Braun in Fahr am Main. Für gute Tropfen in die Fässer will auch der Sohn des Hauses garantieren. Thomas Schäfer (23) studiert Önologie in Geisenheim.


Weingenuss und Geschichten

Weingenuss verbunden mit Erlebnissen, familiärer Verbundenheit und Geschichten rund um den Wein kommt an, ist das Quartett überzeugt. Dafür lässt es sich auch Besonderes einfallen. Zum dritten Mal bot die Familie jetzt die kulinarische Veranstaltung "Füllersch Kinder bitten zu Tisch". Füllersch heißt der Hof im Dorf, seitdem ein gleichnamiger Vorfahr eingezogen war. 160 Gäste ließen sich an zwei Abenden in der festlich geschmückten Scheune mit einem Überraschungsmenü regionaler Zutaten verwöhnen. Und einer Auswahl Untererthaler Weine samt einem Rosé-Secco zur Begrüßung und einem Eiswein aus dem eigenen Keller. Die Idee zu dem Ereignis hatten die Kinder. Nachdem die Eltern beim jährlichen Hofschoppenfest im Juli stark eingespannt sind, sollten sie sich einmal entspannt zurücklehnen. Das passiert eh selten genug. Klaus Schäfer kommt erst nach der Arbeit auf den Flächen des Staatlichen Hofgutes zwischen die eigenen Rebzeilen.

Ziel ist es, den Betrieb über Pachtflächen auf fünf Hektar zu erweitern. Ein Ansporn ist die Kollegialität unter den Saaletalwinzern. So steuert Schäfer einen Wein zum Jubiläums-Cuvée der Stadt Hammelburg bei, der seit Kurzem abgefüllt ist.