Der Widerstand gegen die Stromtrasse "SuedLink" bring immer mehr Bürger auf die Beine - oder auf die Straße. Rund 200 Demonstranten zogen am Mittwochnachmittag vom Schloss zur Schwedenberghalle. "Heute machen wir Rabatz, für die Trasse ist kein Platz", skandierten sie unterwegs unter anderem.

Da die Bürgerinitiative "Der Gegenstrom" die Verbindung "SuedLink" generell ablehnt, lehnte sie auch den Infomarkt des Netzbetreibers Tennet ab. "Wir werden keine Hinweise geben", sagte Vorsitzender Markus Stockmann. Die Bürgerinitiative werde nicht die Arbeit des Unternehmens machen, das schließlich Geld verdienen wolle. Stockmann verlangte vielmehr, dass Tennet detaillierte Pläne über den Verlauf der Leitungsstrecke vorlegt und nicht nur einen Trassenkorridor.

Sack voller Bedenken

Er überreichte Thomas Wagner und Christoph Thiel vom Projektteam symbolisch einen Sack mit Forderungen. So solle der Netzbetreiber zum Beispiel das Biosphärenreservat berücksichtigen und die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Gleichstromleitung nachweisen.

Die beiden Tennet-Mitarbeiter Thomas Wagner und Christoph Thiel warben dagegen immer wieder für den Infomarkt. Der Trassenkorridor sei ein Vorschlag, der durch Hinweise und Vorschläge ergänzt werden könne. "Wir sind daran interessiert, möglichst viele Hinweise zu bekommen", sagte Thiel. Durch das offene Format des Infomarktes könne jede Anmerkung aufgenommen werden.

Die Teilnehmer der Demonstration nutzten die Veranstaltung des Netzbetreibers durchaus, um sich über die Stromtrasse zu informieren. Dazu hatte der Vorsitzende der Bürgerinitiative auch aufgerufen. Über den Nachmittag verteilt besuchten auch sonst Bürger und Vertreter aus der Kommunalpolitik den Infomarkt. Sie beugten sich über die Karten oder diskutierten mit den rund 20 Projektmitarbeitern und den Vertretern der Bundesnetzagentur.

So bewegte nicht nur der Protest die Bürger nach Elfershausen, sondern auch das Interesse, wie nah am eigenen Ort die Stromtrasse verlaufen soll. "Die Tochter hat einen Bauplatz, baut wegen der Stromtrasse aber nicht. Bei einem Nachbar ist es genauso", sagte ein Bürger aus Oberthulba. In Oberthulba wäre der gemeindeeigene Wald von der Stromtrasse betroffen, wie Bürgermeister Gotthard Schlereth (CSU) erklärte. Dort gibt es viele Holzrechtler. Die Gemeinde habe diese daher zur Teilnahme motiviert.

Trotz der Verweigerung durch die Bürgerinitiative konnte Tennet einige Empfehlungen für Streckenvarianten einsammeln: In den Karten wurden zum Beispiel die ICE-Strecke nach Fulda und die Schneise der Gas-Pipeline markiert. Sogar der Brönnhof im Landkreis Schweinfurt tauchte auf. Tennet will noch in diesem Jahr jeden Hinweisgeber darüber informieren, wie er mit der jeweiligen Anmerkung im Antrag umgegangen ist. Dieser soll ebenfalls noch in diesem Jahr bei der Bundesnetzagentur eingehen.

Die Zeit bis dahin will die Bürgerinitiative für weitere Kundgebungen nutzen. Konkret ist laut Stockmann für den 28. Juni eine Demonstration bei der Bundesnetzagentur in Bonn geplant. München, Berlin und - "wenn es sein muss" - sogar Brüssel sollen als Kundgebungsorte folgen. Die Bürgerinitiative will die Abgeordneten einschalten und die Mitglieder auf Einsprüche gegen den Trassenantrag vorbereiten.