Kabarett mit scharfzüngiger Satire vom Feinsten gab es im katholischen Pfarrzentrum. Der Verein "kulturbunt" hatte dazu eingeladen. Mit seinem knapp zweistündigen Soloprogramm "Akut" war der bissige Satiriker Arnulf Rating tiefgründig dem aktuellen Zeitgeist gnadenlos auf der Spur. Dabei schlüpfte er gerne auch mal in andere Rollen, zum Beispiel als Krankenschwester, Ruhrgebietler oder flippiger Manager.
Reichlich ist die aktuelle Themenauswahl für diese Zunft: Flüchtlinge, Panama-Dokumente, NSU, Griechenland, Hartz IV, Terror, Pharma-Lobby, kalte Progression und Menschenrechts-Löcher. Freilich kam Rating dem Thema Böhmermann nur allzu gerne über den Weg. Galt es doch eindeutig Stellung für die Freiheit von Satire und Presse zu beziehen.
Weitere Themen aus der politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Großwetterlage entnahm Rating einem Koffer voller Tageszeitungen. Ja, auch die Saale-Zeitung war dabei, was die Applausbereitschaft im voll besetzten Saal (rund 120 Plätze) erhöhte. Hammelburg kennt der Satiriker noch von seinem ersten Auftritt aus 2007, wo er ebenfalls von kulturbunt eingeladen war. "Wer es in Hammelburg schafft, der schafft es auch in der übrigen Welt", sagte eine "kulturbunt"-Sprecherin zur Begrüßung.
"Ich lese gern in solchen Blättern", verglich Rating lokal orientierte Zeitungen, zu denen er neben der Lokalzeitung auch den Schwäbischen Alb-Boten zählte, mit bundesweiten Edelblättern wie zum Beispiel "Die Zeit". Letztere seien eher für Pädagogen geeignet, "denn die Lehrer haben reichlich Zeit", so Rating.
Ist Deutschland mittlerweile ein Gottesstaat, wenn ein Pfarrer Präsident und eine Pfarrerstochter Kanzlerin ist? Wer Rating zuhört, gerät in Gefahr, auf geistigen Bananenschalen auszurutschen, im verbalen Schnee stecken zu bleiben oder von der satirischen Kampfdrohne beobachtet zu werden. Auch die Journalisten bekamen ihr kabarettistisches Fett weg: "Rudelpresse mit Leitwölfen", so Ratings Kurzfassung.
"Ich fühle mich als Lehrer durchaus angesprochen und achte diese hochwertige Qualität von Kabarett, die sich von Witze erzählenden Comedians wohltuend unterscheidet", sagt Zuhörer Beichel. Amüsiert, betroffen und nachdenklich zeigt sich Michaela Drescher. "Rating liegt mit seinen Einschätzungen meist richtig, und ich fühle mich durchaus betroffen", sagt Zuhörer Waite und fügt an: "Fast zwei Stunden auf der Bühne so hohe Leistung zu erbringen, verdient meine Hochachtung."
Willibald Schottorf: "Ratings Vielfalt und seine Sozialkritik sind super." Auch die lokale Anbindung an Hammelburg finde er gut.