Mit der Kinderkiste, der Volkshochschule (Vhs) und der Stadtbibliothek stellt die Stadt für ihre Bürger und das Umfeld bemerkenswerte Einrichtungen bereit. Doch sie bescheren jedes Jahr Defizite. Die Stadt will die Fehlbeträge jetzt zumindest reduzieren. In welcher Größenordnung das möglich ist, damit beschäftigten sich die Stadträte.

Heide Gerlach-Hirt, Leiterin der Kinderkiste, Sieglinde Könemann-Merz, Geschäftsführerin der Vhs Hammelburg, und Bibliotheksleiterin Karin Wengerter standen in der Sitzung ein Stück weit unter Rechtfertigungsdruck, auch wenn keiner die drei Einrichtungen prinzipiell infrage stellte. Die Kinderkiste weist einen jährlichen Fehlbetrag von rund 50 000 Euro aus. Laut Gerlach-Hirt schlagen sich darin vor allem die Personalkosten für die Küchenkräfte, die Heizkosten - "die Fenster sind schlecht" - und die Buskosten nieder.

Ab dem kommenden Schuljahr sollen höhere Gebühren das Minus etwas abfedern. Je nach Buchungskategorie werden nicht mehr 55 bis 109 Euro, sondern 65 bis 128 Euro fällig. Die Gebühren für Essen, Getränke und das Spielgeld steigen ebenfalls. Der Preis für die Mahlzeiten könnte sich künftig vielleicht noch einmal erhöhen. Gerlach-Hirt meinte zwar: "Wenn ich das Essen realistisch kalkuliere, wird die Hälfte der Kinder von den Mahlzeiten abgemeldet." Dennoch sahen einige Stadträte Spielraum nach oben.


Hohe Personalkosten

"Ich störe mich an den Essenskosten", sagte Bernd Hüfner (CSU). Auch Christian Fenn (Junge Liste) konnte sich vorstellen, einen Teil der Personalkosten für die Küchenkräfte auf die Eltern umzulegen. Daher sollen die Essensgebühren noch einmal überprüft werden.

Bei der Vhs sind es ebenfalls die Kosten für das städtische Personal, die den Betrieb ins Minus treiben. Die Kurse an sich erwirtschaften nach Abzug der Honorare für die Referenten und der kursrelevanten Kosten sogar einen Überschuss, wie Könemann-Merz erläuterte. Das Defizit pendelte in der Vergangenheit grob um 40 000 Euro.
Also steigt die Mindestgebühr pro Doppelstunde ab 1. September von 3,90 Euro auf 5 Euro. Gleichzeitig bekommen die Kursleiter aber zwei Euro mehr für die Unterrichtsstunde, also 18 statt 16 Euro. Die Kursleiterhonorare waren zuletzt vor 14 Jahren angehoben worden.

Rita Schaupp (SPD) warnte davor, die Kursgebühren zu stark zu erhöhen. Schließlich seien die Räumlichkeiten in der alten Volksschule "weit weg von Luxus". Da viele Bürger aus den Nachbargemeinden die Vhs nutzen, schlug Patrick Bindrum (CSU) vor, diese Orte zur Finanzierung einzubeziehen. Dazu müsste die Vhs in einen Verein umgewandelt werden, mit den Nachbarkommunen als Mitträgern. Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) will das in der Allianz "Fränkisches Saaletal" ansprechen. Er meinte jedoch: "Die Begeisterung wird sich in Grenzen halten."

Von der Hammelburger Stadtbibliothek profitieren die Nachbargemeinden ebenfalls. Diese städtische Einrichtung hat vergleichsweise den höchsten Zuschussbedarf. Im Jahr 2015 waren es 220 000 Euro.
Gebührenerhöhungen wird es in der Bibliothek allerdings nicht geben. Wie Wengerter vorrechnete, würde das beim dann zu erwartenden Leserschwund nur zu relativ geringen Mehreinnahmen führen.


Hohe Mietkosten

Das Personal ist bei der Bücherei der größte Kostenfaktor. Es gab bereits Reduzierungen, und eine Kollegin wird durch eine Auszubildende ersetzt. Weitere Reduzierungen beim Personal würden eine neue Ausrichtung der Bücherei bedeuten, wie Wengerter erklärte. Bisher liegt der Schwerpunkt vor allem auf der Leseförderung für Kinder mit zahlreichen Veranstaltungen. Das stellte Martin Wende (CSU) in Frage. "Fürs Lesen ist die Grundschule zuständig. Die Bücherei kann nur eine Ergänzung sein", sagte er.

Ein großer Posten ist außerdem die Miete von 45 000 Euro jährlich. Die könnte die Stadt durch einen Umzug der Bücherei ins alte Kaufhaus einsparen. Doch dafür müsste sie in das Gebäude zunächst investieren. Daran erinnerte Bindrum und deutete an, dass die Stadt die selbst gesteckte Schuldengrenze auch angesichts anderer Aufgaben dann wohl nicht einhalten könnte.

Von den städtischen Einrichtungen sind einzig die Friedhöfe noch kostendeckend. Dennoch steigen die Gebühren ab 1. Juli. Das soll die Sanierungen, die in den kommenden Jahren anstehen, und die Steigerung der Personal- und Verwaltungskosten decken. Die Gebühren für Erdgräber werden zum Beispiel um 150 Euro teurer. Die Leichenhausgebühren sehen eine neue Staffelung vor. Und für Beerdigungen ohne Leichenhaus berechnet die Stadt künftig 70 Euro für die Friedhofsnutzung.