Auf Einladung ihres Kreisobmanns Karlheinz Vogler trafen sich vorwiegend Milchbauern im Gasthaus Brust, um ihrem BBV-Vizepräsidenten und Vorsitzenden der Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft (LVBM), Günther Felßner, persönlich zu begegnen. "Felßner ist einer von uns, der deutlich unsere Sprache spricht", ist MEG-Vorsitzender Bruno Adrio überzeugt. Und Georg Scheuring, Geschäftsführer der BBC-Geschäftsstelle Bad Kissingen, begrüßt Felßner als alten Bekannten, blicken beide doch auf ihre gemeinsame Studienzeit zurück.

Auch kleine haben eine Chance

Kreisbäuerin Rita Jörg legt ihren Finger auf die Wunde der Milchbauern und fragt: "Wie geht es nach Wegfall der Milchquote im kommenden Jahr für uns weiter?" "Freilich sind ab dem 1. April 2015 die Zeiten der staatlichen Hängematten vorbei", blickt Felßner in die Zukunft. Während 24 EU-Länder immer schon quotenfrei seien, gebe es zusammen mit Österreich und Dänemark bis jetzt noch die deutsche Milchquote in Europa. Nach deren Fall gelte es in der Milchwirtschaft, freie Märkte noch mehr zu nutzen. "Auch kleinere Betriebe im Landkreis Bad Kissingen haben ihre Chance, wenn sie gut durchdachte und intensive Konzepte umsetzen", ist sich Felßner sicher. Arbeitsplätze seien dort gerade für junge Leute in Sicht, macht er Mut. "Wir nehmen nach dem Quotenfall auch noch größere Mengen Milch ab, weil wir expandieren", bestätigt Tobias Mayer, Milcheinkäufer der Molkerei Zott.

Milch hat Mercedesqualität

Dahinter stehe die Botschaft: "Bei einem jährlichen Bevölkerungszuwachs von rund 80 Millionen Menschen weltweit wächst der Exportanteil für die deutsche Milch". "Unsere Milch aus Deutschland ist offensichtlich der Mercedes", folgert Felßner aus der Tatsache, dass diese hochwertige Milchqualität weltweit nicht nur in Indien und Nordafrika, sondern auch bis nach China nachgefragt werde.
"Wo wollen Sie Kuh sein?", vergleicht Felßner den Wellnessbereich im modernen Kuhstall mit einem vermisteten Stall-Dreckloch vor 200 Jahren, in dem sich eine angekettete Kuh wohl kaum wohl gefühlt habe. "Der heutige Bauer ist der beste Tier- und Naturschützer", betont Felßner mit einigem Selbstbewusstsein.

Wertschöpfung der Fläche

War bislang ein Trend zu vermuten, dass auf lange Sicht nur Großbetriebe eine gute Überlebenschance in der Landwirtschaft haben, so bricht Felßner mit diesem Bild: "Es kommt in Zukunft immer mehr auf die intensive Nutzung der nur begrenzt vorhandenen Agrarflächen und die möglichst hohe Veredelung der Produkte an".
Denn es nütze wohl kaum, wenn nur wenige Landwirte eine Fläche für den Großanbau nützen. Besser sei es doch, dass dieselbe Fläche ein Vielfaches an Arbeitsplätzen biete. So könnten dort zum Beispiel deutsche Bioprodukte mit kontrolliert höherer Qualität als aus den Billig-Drittländern erzeugt werden.
Viel kostbare Fläche (rund 40 000 Hektar) gehe für die Landwirtschaft verloren, wenn es zur geplanten Nord-Süd-Stromtrasse komme, machte Felßner deutlich. Zudem mache man sich von den vier großen Stromanbietern noch abhängiger. "Wenn das Problem der Stromspitzen nicht wäre, könnte sich Bayern regional aus Biogas, Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft selbst versorgen", ist Felßner überzeugt.
"Unser Job ist die verantwortungsvolle Verwertung der Ressource Natur", weist Rudi Weber, Geschäftsführer der Maschinenring Energie Fuchsstadt, auf zweite Standbeine für die Landwirte hin. "Biogas ist aus unserem eigenen Land, während das Erdgas über die Leitungen von Russland läuft", so Felßner. Weitere Themen waren die Ausgleichsflächen und die Düngeverordnung.