Emotionen weckt bei dem US-Amerikaner auch der Empfang der Einheimischen. Mit so viel Freundlichkeit hatte der Sozialarbeiter im Ruhestand gar nicht gerechnet.
Inzwischen ist er überzeugt, dass es nicht sein letzter Besuch in Pfaffenhausen gewesen sein wird. Und er das nächste Mal seine fünf Geschwister dabei haben wird. "Nach den Geschichten und Bildern wollen die das sicher sehen", sagt er und schmunzelt.

Abschied für immer

Ahnenforschung mit Ausgewanderten ist oft ein Puzzlespiel. "Es gibt keine Lebensaufzeichnungen", bedauert Klubertanz. Es muss ein Riesenschritt gewesen sein, die Heimat in ein unbekanntes Land zu verlassen. Kärgliche Lebensverhältnisse spornten zum Aufbruch an.
Johann Sebastian Klubertanz hatte zwei Geschwister, die ebenfalls die Reise ins Ungewisse antraten. Für immer, ohne Chance auf ein Wiedersehen mit den Eltern. Deren Schmerz war wohl groß. Beide lebten keine zehn Jahre mehr, nachdem sie Abschied von den Kindern genommen hatten.
Wie tief sich Dale Klubertanz in die Materie hineinknien würde, war nicht klar, als er 1993 bei einer Rückreise aus Südfrankreich einen Zwischenstopp in Heidelberg einlegte. Im Zentrum für Familienforschung erfuhr er, dass sein Vorfahr aus einem Pfaffenhausen bei Hammelburg stammt.
Da war seine Neugier geweckt. Unterstützung fand er bei seinen weiteren Erkundigungen bei Robert Schlesier. Schlesier wohnt auch in Wisconsin und stammt aus der Familienlinie der Schwester von Sebastian Klubertanz und war auch schon in Pfaffenhausen. Auch US-Amerikaner mit Urahnen aus Thulba sind an dem Projekt beteiligt.

Weitverbreiteter Name

"In Wisconsin gibt es mehr Klubertanzes als hier", ist der Besucher überzeugt. Es gibt sogar einen Eishockey-Profi von dort. Kyle Klubertanz steht nach einem Intermezzo in Skandinavien bei den Ice-Tigers Nürnberg unter Vertrag. Auch in Kanada sei der Name verbreitet.
Im Raum Hammelburg tauchte der Name laut Archiven um das 16. Jahrhundert auf. Und zwar zunächst in Fuchsstadt oder Wartmannsroth, dann Hammelburg, Thulba, Pfaffenhausen und Fuchsstadt und später Alzey. Eine erste Grafik zeigt neun Generationen, durch einen Stammbaum verbunden. Über die jüngere Vergangenheit gibt es eine Akte mit 80 Seiten über 16 Generationen, bei denen noch nicht alle Verbindungen geklärt sind. Um Lücken zu schließen, will Dale Klubertanz ins Diözesanarchiv nach Würzburg und nach Bürgstadt.
Als Erstes zog es ihn natürlich nach Pfaffenhausen, um die Lebensumstände seines Vorfahren zu ergründen. Als er nach der weiten Anreise sonntags das erste Mal auf dem Dorfplatz saß, war gerade die Kirche aus. Schnell entspannen mit den Gottesdienstbesuchern Gespräche. Schnell war von den Einheimischen der Name Klubertanz ausgerufen.

Aha-Effekt

Das sorgte für einen Aha-Effekt. Ehe sich Klubertanz versah, saß der Gast bei Albin Heim in der Wohnstube. "Er hat ein wunderbares Gefühl für den Ort", sagt Klubertanz. Schnell war auch mit Hilfe der Ortschronik herausgefunden, dass sein Vorfahr in Hausnummer zwei geboren und in Nummer neun aufgewachsen ist. Weil sich die Auszeichnung im Dorf änderte, war es gar nicht so einfach, die Stätten zu finden. Schnell waren die einen oder anderen Erinnerungen ausgetauscht.
In den Vereinigten Staaten hatte es der einst Auswandernde gut angetroffen. Obwohl er nur wenig zum Mitnehmen hatte, brachte er es über ein Anwerbungsprogramm der US-Regierung zu einer Farm mit 60 Hektar Fläche. Es gibt sie heute noch. Seit der Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren ist sie aber nicht mehr im Familienbesitz.
Mit Fotoapparat und Videokamera bannt Dale Klubertanz den Ort auf Datenträger. Besonders hat es ihm der jüdische Friedhof angetan. In den Straßen glaubt er ganze Jahrhunderte zu erspüren. Anders als in seiner Heimat, wo es vor dem 19. Jahrhundert wenig gab.
Glücklich ist er, dass er sich ein E-Bike von der Tourist-Information leihen konnte, das ihn ohne Kraftaufwand ins Umland bringt. Die Fußläufigkeit der Stadt und der Landschaft bereitet ihm unendlich Freude.

Begeisterter Folk-Musiker

Klubertanz schließt nicht aus, bei seiner Wiederkehr eine Gitarre mitzubringen. Mit einem Konzert könnte sich der begeisterte Folk-Musiker für die freundliche Aufnahme bedanken und eine weitere Brücke zwischen den Kulturen schlagen. Dieses Mal rundet er beim Spiel auf einer Mandoline in seinem Hotelzimmer die erlebnisreichen Tage ab. Wolfgang Dünnebier