Für fragende Blicke, Schmunzeln und Rätselraten sorgt seit einer Woche der kindergroße Plüschelch, der an der Lichtstele am Viehmarkt angebunden ist. Es ist schon das zweite Kuscheltier, das an den "Marterpfahl" gekommen ist. Doch nicht nur solche Späße sind auf dem Platz zu beobachten.
Seit zwei Wochen, seitdem der Bautrupp komplett abgerückt ist, sind immer wieder Hammelburger anzutreffen, die aus einer der Gassen neugierig Richtung Viehmarkt schlendern. Sie bleiben zumeist am Rande des Platzes stehen und lassen ihren Blick über die neu gepflasterte Fläche schweifen - vorsichtig, als gelte es, ein unbekanntes Terrain erst auszukundschaften.
In gewisser Weise ist das Quartier tatsächlich Neuland für Passanten. "Als wir im Jahr 2014 im Zuge der Wettbewerbsbearbeitung zum ersten Mal in Hammelburg waren, haben wir insbesondere am Viehmarkt eine Situation vorgefunden, die ausschließlich von den Verkehrsflächen dominiert und vom Charakter des Funktionalen bestimmt wurde. Die Bewegungsräume des fußläufigen Verkehrs waren im gesamten Betrachtungsraum erheblich eingeschränkt, es fehlten attraktive Aufenthalts- und Kommunikationsangebote", sagt Matthias Staubach vom Büro Capatti Staubach.
Diese Situation wollte das Büro aufbrechen. "Mit der Umgestaltungsmaßnahme war das Ziel verknüpft, die öffentlichen Flächen wieder für alle Nutzergruppen zugänglich zu machen und neben den Aspekten Barrierefreiheit und guter Begehbarkeit zu einer deutlichen Attraktivitätssteigerung der Innenstadt beizutragen."
Und die Ersten setzen sich schon mal auf eine der Bänke, um eine kurze Pause zu machen oder ein E-Book zu lesen. Einige haben auch bereits an der hölzernen Tafel für eine Brotzeit am Tag oder für einen Schoppen Wein in kleiner Runde am Abend Platz genommen. Jedem fällt sogleich auf, dass die Tischbalken zu wenig Abstand für die Knie lassen. Die Stadt will die Beinfreiheit daher noch verbessern. Die Unterhaltungen auf dem Viehmarkt kommen schnell auf die Lichtstele aus Holz zu sprechen. Die Bedeutung des "Marterpfahls" erschließt sich nicht sofort. Der Architekt erklärt: "Mit der Materialität der Stele wollten wir einen Verweis auf die umliegenden Weinbauhänge und die dort verwendeten Pfähle, an denen die Reben gezogen werden, geben. Die Lichtstele hat neben der Aufgabe der Platzbeleuchtung auch die Funktion einer identitätsstiftenden Skulptur, die Besucher auf den Platz leitet."
Neben der Lichtstele gehört der Brunnen zu den neuen Gestaltungselementen auf dem Viehmarkt. Kinder planschen gerne in der flachen Wasserschale. Viele erwachsene Passanten wissen dagegen nicht so recht, was sie mit dem neu gewonnenen Platz anfangen sollen. Sie sind sich aber zumindest einig: Ein Café müsste dort aufmachen. Die Hammelburger fremdeln ansonsten immer noch mit den Ideen des Architekturbüros und ihrem neuen Platz. Das muss aber nicht unbedingt gegen die Umgestaltung sprechen. Eine Stadtbewohnerin, die auf einer Bank sitzt und einen Brief liest sagt: "Bis die Hammelburger etwas annehmen, das kann dauern."