Es ist hell, freundlich und wohnlich in dem neuen Haus. "Es gefällt mir hier sehr gut", bestätigt Rollstuhlfahrerin Gabi und erklärt: "Wenn ich aus dem Fenster schaue, dann freue ich mich über den Anblick der Altstadt." Auch eine weitere Bewohnerin fühlt sich wohl im neuen Wohnheim. "Es ist ganz toll hier", sagt sie.
Die Mitarbeiter der Lebenshilfe Hammelburg sind ebenso froh über das helle und geräumige Haus mitten in der Stadt. Gerade für Rollstuhlfahrer und Rollator-Benutzer sei der ungehinderte Zugang zur Stadt ein großer Vorzug. 13 der rund zwei Dutzend Einzelzimmer sind bereits belegt. Im Januar wird eine zweite Gruppe einziehen. Neben den Wohnungen gibt es im neuen Haus auch eine Tagesstätte für Senioren.

Zehn Jahre alte Idee

"Endlich ist es so weit", erinnerte Karl-Heinz Maul, Vorstandsmitglied der Lebenshilfe, an die rund zehn Jahre alte Idee, einen Neubau an dieser Stelle zu errichten, um die Behinderten ins Stadtleben zu integrieren.
Das zuvor hier stehende "Alte Seelhaus" habe den Stadtbrand von 1854 und 1866 den bayerisch-preußischen Bruderkrieg überstanden. Das Haus sei ein Hort von Pflege, Beten und Sterbebeistand gewesen und habe später bis in die 1960er Jahre unter Leitung von Schwestern als Krankenhausgebäude gedient. Die letzte Nutzung seien städtische Sozialwohnungen und die Unterbringung von Obdachlosen gewesen.
"Es hat zwar lange Zeit gedauert an dieser Baustelle, doch ist jetzt ein prima Neubau entstanden, den ich als gute Investition in unsere Gesellschaft verstehe", betonte stellvertretende Landrätin Monika Horcher. Das Wohnheim sei ein gelungenes Beispiel für Inklusion, das Einbeziehen der Behinderten in die Gesellschaft.

"Selbstbestimmtes Leben"

Auch Bürgermeister Armin Warmuth lobte: "Mit diesem neuen Wohnheim ist ein großer Schritt zu einem selbstbestimmten Leben von Behinderten gelungen." Es sei kein einfacher Weg gewesen, es habe viel Ausdauer der Stadt und der Lebenshilfe erfordert. "Aber wir haben dafür gekämpft", unterstrich Warmuth. Der Neubau biete für die Bewohner und die 15 Mitarbeiter optimale Bedingungen, freute sich Sascha Turtschany, Wohnstättenleiter der Lebenshilfe Schweinfurt. Den ökumenischen Segen spendeten der evangelische Prädikant Klaus Vosshage und der katholische Pfarrer Thomas Eschenbacher.

"Große Verantwortung"

"Ich verspüre eine große Verantwortung, wenn ein Stück historischer Ort verändert wird", betonte der Schweinfurter Architekt Wolfgang Schefbeck. An der sensiblen Stelle der alten Stadtmauer sei die Vorgabe des Abrissgrundstücks exakt einzuhalten gewesen.
"Das Gebäude ist eine in sich gefertigte und funktionelle Architektur, zurückhaltend und ohne die Altstadt-Romantik übertrumpfen zu wollen", kommentierte Schefbeck. Zum Planungsteam des Büros "Schefbeck hoch 3" gehören noch Tochter Therese und Schwiegersohn Christian Kern. Entstanden ist ein wohldurchdachter Bau mit inneren Werten, der sowohl den Besuchern als auch den Bewohnern das Wohlgefühl eines hochwertigen Sternehotels vermittelt.