Knapp 70 Einwohner waren gekommen, um sich von ihrer neuen Bürgermeisterin über den aktuellen Stand der Gemeinde informieren zu lassen.
"Die Gemeinde Euerdorf ist unverändert schuldenfrei", stellte die Bürgermeisterin mit Nachdruck fest und widersprach damit ausdrücklich anderslautenden Presseberichten. Man habe lediglich aus finanztechnischen Gründen erstmals ein Darlehen von 480 000 Euro zum Neubau des Kindergartens aufgenommen. Dem stünde allerdings ein Gemeindevermögen in Höhe von 3,3 Millionen Euro gegenüber, so Schießer, das sich gegenüber dem vorigen Geschäftsjahr sogar um 200 000 Euro erhöht habe. Der neue Kindergarten, ebenso wie die abgeschlossene Sanierung der Einhard-Volksschule noch von Amtsvorgänger Reinhard Hallhuber in die Wege geleitet, werde nicht nur von den 66 Kindern und Erzieherinnen gut angenommen. "Auch Eltern und Großeltern sind begeistert." Sogar Vertreter anderer Landkreisgemeinden haben schon das zwei Millionen teure Vorzeigeprojekt besichtigt.

2,8 Millionen für Schulsanierung

Größter Brocken im Haushalt seien die 2,8 Millionen teure Generalsanierung mit Umbau der Volksschule gewesen, wovon die Gemeinde einen Eigenanteil von 760 000 Euro zu leisten hatte. Der Erhalt der Schule sei wichtig, betonte die Gemeindechefin, "denn Kindergarten und Schule sind bedeutende Kriterien zur Ansiedlung von Gewerbe und Neubürgern."
"Das Sinken der Einwohnerzahl in Euerdorf - aktuell sind es 1530 - muss aufgehalten werden", heißt auch für den beratenden Architekten Bernd Müller (Rothenfels) das oberste Gebot. Er informierte die Euerdorfer über das Vorgehen zur Erarbeitung eines städtebaulichen Entwicklungskonzepts. Dies sei Voraussetzung für die Gemeinde, um in den Genuss von Zuschüssen aus der Städtebauförderung zu kommen.

Ideen der Bürger gefragt

Hierzu sollen in einem Bürgerworkshop am 17. Januar Ideen für die gewünschte Entwicklung des Ortes gesammelt und in einen Katalog umsetzungswürdiger Entwicklungsmaßnahmen aufgenommen werden. Diese sollen dann bei der Landesregierung zur Förderung angemeldet werden. "Die Signale für eine positive Entwicklung sind gut", munterte Müller die Einwohner zum Mitmachen auf.
Er verwies auf die hohe Zahl der Einpendler: "Wenn die hier arbeiten, warum sollen sie nicht auch hier wohnen?" Das produzierende Gewerbe sei im Ort gut vertreten, Handel und Gastronomie seien jedoch unterentwickelt. Zum Ausbau des Tourismus als Entwicklungsmöglichkeit muss in der Gastronomie nachgebessert werden, nannte er ein Beispiel. Ein Vorteil des integrierten Entwicklungskonzepts sei, dass auch private Immobilienbesitzer ihren Sanierungsbedarf in das Konzept einbringen und bei Durchführung von Steuererleichterungen profitieren. Müller: "Nehmen Sie am Workshop teil, wir brauchen Sie."
Das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept war nicht die einzige Maßnahme, die sich die Bürgermeisterin für die kommenden zwei Jahre vorgenommen hat. Ihre Anliegen reichen von der Anschaffung eines Feuerwehrautos (186 000 Euro) über die Sanierung der Friedhofsmauer und die abschnittsweise geplante Kanal- und Straßenbauarbeiten bis zur 1300-Jahr-Feier im Jahr 2016, "ein Fest von Bürgern für Bürger". Deshalb forderte Bürgermeisterin Schießer am Ende der Bürgerversammlung alle Euerdorfer auf, sich nicht nur mit Ideen zu beteiligen, sondern historisches Material in Privatbesitz für Ausstellungen zur Verfügung zu stellen oder auch Höfe als Ausstellungsorte zu melden.