Für die Sitzung des Marktgemeinderates am Montag, 1. Juni, liegt ein Antrag der beiden stellvertretenden Bürgermeister, Jürgen Englert (SPD/ FWG) und Elmar Zier (Bürgerliste Machtilshausen), vor. Er zielt darauf ab, dass der Marktgemeinderat den Beschluss über den Kauf der Grundstücke für das Gewerbegebiet zurücknimmt.

Der Antrag ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass nach dem Kaufbeschluss vom 18. Mai Beschwerden beim Landratsamt eingegangen sind, die die Rechtmäßigkeit der Entscheidung anzweifeln. Die Abstimmung über den Kauf war zuvor auf der Tagesordnung nicht angekündigt gewesen. Zudem gab es keine Abstimmung darüber, ob die Entscheidung nachträglich in den Sitzungsverlauf aufgenommen werden soll.

Die Gemeinderäte Peter Amon, Achim Friedrich und Volker Partsch von der Neuen Liste haben für die kommende Sitzung des Marktgemeinderats zudem eine Anfrage an Bürgermeister Karlheinz Kickuth (SPD/ FWG) gerichtet. "Als Grund für die Entscheidungsempfehlung zum ,sofortigen Kauf‘ argumentierte der Bürgermeister unter anderem: Der Bund würde diese Flächen in Zukunft aufkaufen, um Lkw-Stellplätze zu schaffen", heißt es in ihrem Schreiben. Die Fragesteller wollen nun wissen, auf welche Informationsgrundlage sich Kickuth dabei bezog.

Frage nach der Erschließung

Generell kommt der Beschluss, die Grundstücke zu kaufen, für die Gegner des Gewerbegebiets zu schnell. Einige sprechen von einem "taktischen Zug".

In dieser Gemengelage meldet sich Gemeinderat Alfons Hausmann (CSU) zu Wort: "Mit dem Beschluss des Gemeinderates, die in Frage kommenden Grundstücke zu erwerben, steht noch lange nicht fest, dass dort ein Gewerbegebiet entsteht und schon gar nicht, dass der aktuelle ,Investor‘ mit seinen Vorstellungen dort zum Zuge kommt."

Es fehle nach wie vor an "grundlegenden Informationen", ob das Gelände überhaupt ökonomisch erschlossen werden könne. Hausmann nennt dabei "die unklare Lage in Sachen Abwasserentsorgung". "Auf keinen Fall dürfen dadurch die Bürger direkt oder indirekt belastet werden." Die kommende Gemeinderatssitzung greift die Erschließungsfrage auf. Auf der Tagesordnung steht die Auftragsvergabe für die "Grundlagenermittlung und Vorplanung" der abwassertechnischen Erschließung.

Für Hausmann sprechen ganz unabhängig vom Gewerbegebiet aber mehrere Argumente für den Grundstückserwerb: "Dieses Gelände gerät aufgrund seiner Lage früher oder später wieder in den Fokus verschiedenster Interessenten. Es ist nicht auszuschließen, dass diese Grundstücke aus wirtschaftlich strategischen Überlegungen heraus plötzlich in Händen landen, die wir alle nicht wollen." Er erinnert dabei an die Situation am Steinbruch.

Hoffnung auf einen Dialog

Die Gemeinde könne die Grundstücke als Ausgleichs- und Tauschflächen nutzen. Sie hätte nach Meinung Hausmanns zudem die Chance, dort einen Wall als Lärmschutz zwischen Autobahn und Wohnbebauung zu errichten.
In der Diskussion beklagt Hausmann die "Radikalisierung in einzelnen Internetforen". Es gibt zwei gegensätzliche Facebook-Seiten: "Gewerbegebiet Langendorf, nein danke" und "Gewerbegebiet Langendorf, ja bitte", die den Protest ironisiert. Hausmann hofft dennoch auf einen Dialog. Falls dieser nicht zustande kommt, sei ein Ratsbegehren, also ein von der Gemeinde initiierter Bürgerentscheid, das letzte Mittel. Das ist laut Kickuth derzeit aber kein Thema. Auch die Gegner des Gewerbegebiets äußern sich dazu noch nicht konkret. Sie haben ihre Argumente noch einmal in einem Faltblatt zusammengefasst, das sie nun in der Marktgemeinde verteilen wollen.

Die Ansiedlung des Einkaufsmarktes führt ihrer Ansicht nach nur zu einer Verlagerung von Kaufkraft. Die Langendorfer Gegner befürchten dadurch zum Beispiel, dass die Bäckereifiliale im Ort schließen muss. Das Faltblatt erwähnt, dass es bereits ein Mischgebiet für nicht-störendes Gewerbe gibt, weshalb die Gegner den Sinn eines weiteren Gewerbegebiets infrage stellen.

Die Langendorfer gehen laut ihren Ausführungen neben den Kosten für den Kauf der Grundstücke von einem Gemeindeanteil von etwa 154 000 Euro für die Kreiselausfahrt zum Gewerbegebiet und von 100 000 Euro für die Unterführung des Fuß- und Radwegs. Dazu kämen noch Ausgaben für die Erschließung und den Lärmschutz.