Eigentlich ist die Wasserqualität von Schondra und Weißenbach in den Landkreisen Bad Kissingen und Main-Spessart nicht schlecht. So weit herrschte Einvernehmen bei einem Runden Tisch im Gemeinschaftshaus Waizenbach.
Im Fokus stand das schützenwerte Schondratalsystem. Zwölf Experten am Podium und etwa 40 Grundstückseigentümer sowie weitere Behördenvertreter im Publikum beschäftigten sich mit der Frage, wie die Qualität des Lebensraumes verbessert werden kann. Dazu stellt ihnen Vertreter der Regierung von Unterfranken einen Managementplan vor. Grundlage ist eine Kartierung des Planungsbüros PLÖG -Consult GmbH & Co KG.
Der Flussperlmuschel geht es demnach nicht so gut. Ihr Bestand ist der einzige in Unterfranken und trotz aller Anstrengungen zur Ansiedlung rückläufig.Auch der Lebensraum für den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling als seltener Vertreter der Schmetterlinge sowie den Fischarten Groppe und Bachneunauge könnte besser sein.

Arbeit an Managementplan

"Wir machen hier grundsätzlich nicht Neues", versicherte Markus Berg von der Regierung von Unterfranken für das weitere Vorgehen in dem FFH-Gebiet. Allerdungs wird an einem Managementplan gearbeitet. "Irgendwann müssen wir der Europäischen Union Rechenschaft abgeben, was aus ihrer Unterstützung im Rahmen des Biotopverbundnetzes Natura 2000 geworden ist", so Berg.
Biologin Christiane Brand zeichnete ein differenziertes Bild vom Zustand des Naturraumes. Der Biberbestand an der Schondra steige und auch der Fischotter sei schon gesehen worden. Kummer bereitet die fortgeschrittene Phosphatierung und der geringe Sauerstoffgehalt in manchen Abschnitten. Eine größere Rolle als bisher angenommen spiele der weitergehende Einzugsbereich bis hinauf nach Schondra und Schönderling.

Abhilfe möglich

Ein Problem ist der Eintrag von Sedimenten durch die Ackerwirtschaft. Bei Regen würden Bodenteilchen über Kilometer in den Bach geschwemmt. Anlage von Sandfängen und Gräben könne Abhilfe schaffen.
Darum entspann sich allerdings eine Diskussion. Mehr noch würden Sedimente durch Uferabbrüche des mäandrierenden Flusses eingespült, finden Grundstückseigentümer.
Die Kläranlagen seien alle auf der Höhe der Zeit, unterstrichen Vertreter der Wasserwirtschaft. Auseinander ging die Position zur Rolle der Autobahn bei der Belastung der Schondra. Zum Durchsickern von Streusalz und Reifenabrieb aus den neu gebauten Regenrückhaltebecken gebe es keine Untersuchungen.
Für den Lebensraum zeigte Biologin Brand eine Reihe zusätzlicher Maßnahmen auf. So sollen Eingriffe in Wasservegetation vermieden werden sowie bachbegleitende Gehölze erhalten bleiben. Es sollen aber auch gehölzfreie Uferbereiche geschaffen werden.
Auf den Flachland-Mähwiesen sollen angrenzende Gehölze reduziert werden und allenfalls mäßig mit Festmist gedüngt werden. Außerdem sollen keine Pestizide ausgebracht und kein Boden umbrochen werden. In den Auwäldern soll der Totholzanteil gesteigert werden und mehr ungleichaltrige Bestände geschaffen werden.

Tränkstellen für das Vieh

Speziell zur Vermehrung der Flussperlenmuschel soll es ein eigenes Management geben. Dazu bedürfe es auch eines gewässerschonenden Forstwegenetzes. Optimiert werden sollten Lagerplätze für organisches Material und Erdablagerung näher als 50 Meter am Fluss ganz entfernt werden. Zudem sollen punktuelle Tränkstellen für das Vieh geschaffen und Furten befestigt werden.
Für den Dunklen Wiesdenknopf-Ameisenbläuling ist es wünschenswert, Mahdzeiten anzupassen und für die Fische Wanderhindernisse abzubauen. Die Landwirtschaft habe im Einzugsbereich der Schondra mit einer Extensivierung von zwei Dritteln der Grünlandbewirtschaftung schon einen erheblichen Beitrag geleistet, hieß es. Ins Gespräch kamen neue Maßnahmen, wie Teilnahme am Programm "Bodenständig", bei dem es Unterstützung für schonende Bodenbearbeitung gibt. Auch der Freiwillige Landtausch sei eine Option.

Eigentümer besorgt

Grundstückseigentümer äußerten die Befürchtung, Zuschüsse für ihre naturschützerischen Leistungen flössen nicht so ausdauernd, wie versprochen. Aufkeimende Zweifel versuchte Doris Hupfer von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Bad Kissingen zu zerstreuen: "Auch wenn es hieß, Programme laufen aus, gab es immer wieder Unterstützung".
Die Kontaktaufnahme der Behördenvertreter am Runden Tisch lasse ein gutes Ergebnis bei der Koordination der Förderprogramme für Feld-, Wald- und Wiesenwirtschaft erwarten, so Gesprächsleiter Markus Berg.
Wolfgang Dünnebier