Ohne die Mitarbeiter wäre es nicht gegangen, betont Bernhard Schrettle immer wieder im Laufe des Gesprächs. "Sie haben sich ins Zeug gelegt." Jedes Problem habe er mit ihnen besprechen können, erklärt der Geschäftsführer der AVI Packaging GmbH. Und die Mitarbeiter hätten zum Beispiel auch schon mal verspätete Lohnzahlungen hingenommen, damit das Unternehmen Material bezahlen konnte. Dafür eröffnet sich dem Produktionsstandort nun eine neue Perspektive.

Es gibt einen Investor, ein österreichisches Unternehmen. Laut Schrettle soll der Verkauf Mitte Dezember abgeschlossen werden, damit der Standort ab 1. Januar unter neuer Firmierung am Markt auftreten kann. Beim Verkauf handelt es sich um einen so genannten Asset Deal, wie Schrettle erklärt. Das bedeutet, dass der Investor nicht das Unternehmen beziehungsweise Unternehmensanteile, sondern die Wirtschaftsgüter des Unternehmens wie Gebäude und Maschinen erwirbt.

"Von den 52 Beschäftigten werden 32 übernommen", sagt Schrettle. Für die anderen folgt daraus, dass ihre befristeten Verträge auslaufen oder sie demnächst gekündigt werden. Der Geschäftsführer betont: "Das heißt nicht, dass es in Zukunft bei den 32 Mitarbeitern bleiben muss." Seit September herrscht bei AVI Packaging in Westheim auch Kurzarbeit. An drei Tagen in der Woche, von Montag bis Mittwoch, wird dort im Drei-Schicht-Betrieb produziert, beschreibt Schrettle die derzeitige Lage.

AVI Packaging stellt thermoverformte Verpackungen aus Kunststoff her. Ursprünglich hatte das Unternehmen zwei Standorte mit insgesamt mehr als 100 Mitarbeitern: Westheim und Scheden (Landkreis Göttingen).


Wirtschaftliche Probleme

Im Jahr 2014 geriet das Unternehmen in Schwierigkeiten. Es beantragte ein so genanntes Schutzschirmverfahren. Damit wollte es aus eigener Kraft und in Eigenverwaltung wieder Wettbewerbsfähig werden.

Zu den Sanierungsmaßnahmen gehörte vor allem die Verlagerung eines Großteils der Produktion von Scheden nach Westheim. Im Werk in Scheden wurden rund 50 Beschäftigte entlassen, wie die Hessische/Niedersächsische Allgemeine berichtete. Demnach blieben dort nur rund 30 Mitarbeiter. Der Standort behielt die Folienproduktion als Kernaufgabe. Das Insolvenzverfahren wurde Branchenmedien zufolge im März 2015 aufgehoben.

Doch "der Umzug hat nicht funktioniert", sagt Schrettle, der vor mehr als einem Jahr zum Unternehmen kam. So seien zum Beispiel Lieferrückstände entstanden. Das Unternehmen musste erneut Insolvenz anmelden. Dieses Folgeverfahren machte die Situation rechtlich nicht gerade einfacher. Das Insolvenzverfahren wurde laut Amtsgericht Dresden im April 2016 eröffnet. Dresden ist seit einem Wechsel der Eigentümer im Jahr 2014 offiziell der neue Sitz von AVI Packaging.

Mit Anmeldung der Insolvenz übernahm Schrettle die Geschäftsführung und die Aufgabe, das Unternehmen in Eigenverwaltung zu sanieren.

Schrettle bereinigte die Produktpalette. Es sei zu viel gemacht worden, und daher teilweise zu kleinteilig produziert worden. AVI Packaging trennte sich von den Kunden aus dem Nahrungsmittelbereich. Für viele bekannte Firmen hatte AVI Packaging zum Beispiel Einlagen für Pralinenschachteln geliefert. Für Kunden aus dem Lebensmittelbereich musste im Sommer vorproduziert werden, was hohen Lagerhaltungsaufwand bedeutete, erklärt Schrettle.

Das Unternehmen konzentriert sich nun auf technische Produktverpackungen. Dazu gehören Einlagen für Werkzeugkoffer, konkret beispielsweise Einlagen für Bohrmaschinenkoffer. Diese werden aus Dickfolie im Tiefziehverfahren geformt. Zu den Stammkunden zählen auch hier namhafte Marken.

Der Betrieb soll nun auf einem Kernumsatz-Fundament von laut Schrettle sechs Millionen Euro neu aufbauen. "Insolvenz bedeutet nicht immer gleich das Ende. Es kann auch der Beginn eines Neuanfangs sein", meint Schrettle. Das gilt allerdings nur für Westheim. Der Standort in Scheden befindet sich in der Abwicklung.