Bei Verena Mörsner war es Liebe auf den ersten Blick. "Diebach ist ein tolles Dorf mit unglaublichem Potenzial. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich herkomme", betonte die Diplom-Ingenieurin.

Sie empfiehlt dringend, den Hammelburger Stadtteil in die Dorferneuerung aufzunehmen. So könnten Sanierungsmaßnahmen auch mit öffentlichen Geldern bezuschusst werden, erklärte die Fachfrau für Freiraumplanung und Denkmalpflege. Mörsner ist für das Innenentwicklungsmanagement im Landkreis Bad Kissingen zuständig, ihr mit Leader-Mitteln finanziertes Projekt heißt "Mitten im Ort - mitten im Leben."

In Diebach hat sie "zwei Brennpunkte" erkannt: das Trips-Gebäude mit dem ehemaligen Schulhaus und die "Insel" zwischen Diebacher Straße und Häfnerstraße, wo unter anderem die frühere Raiffeisenbank-Filiale steht.
Trips-Haus und Schulgebäude sollten unbedingt erhalten und saniert werden. Hierzu könnten die Bürger eine Initiative oder einen Förderverein gründen, sagte Mörsner. Sie war insbesondere auch von der historischen Inneneinrichtung angetan und schwärmte unter anderem von dem großen Rauchfang und dem gemauerten Herd.

Viele Nutzungsvorschläge

Zur künftigen Nutzung hatte sie auch gleich eine ganze Reihe von Vorschlägen parat: Gemeinschaftsräume, gewerbliche Nutzung, kleines Büro, Seminarräume, Bücherei, Museum. "Die Gebäude abzureißen und Parkplätze zu schaffen, da bin ich dagegen", betonte sie.

Bei dem Bereich Diebacher Straße/Häfnerstraße sprach sie sich dafür aus, zumindest die Struktur der Inselbebauung zu erhalten. Durch den Abriss von Gebäuden bestehe die Gefahr, tote, ungenutzte Flächen zu schaffen. "Ein Gebäuderiegel bietet immer auch einen Lärmschutz", argumentierte die Diplom-Ingenieurin.

Der aktuelle Zustand sei ohne Zweifel zum Teil "unter aller Sau", weil Eigentümer ihren Pflichten nicht nachkämen. Das Gebäude 36 sollte aber unbedingt erhalten werden. Ein Nutzungs- und Gestaltungskonzept werde sich schon finden, gegebenenfalls unter Beteiligung der Bürger. Für eine Sanierung gäbe es sicher auch Fördergelder.
Bürgermeister Ernst Stross (SPD) informierte, dass sich Trips-Haus und ehemaliges Schulgebäude mittlerweile im Eigentum der Stadt befinden. Ein Diebacher meinte, er könne sich ein Engagement der Ortsbürger bei einer Sanierung vorstellen, wenn die Stadt die Führungsrolle übernehme.

Stadrat und Ortsbeauftragter Armin Warmuth (CSU), erinnerte daran, dass die Stadt die Häuser gekauft habe, um Freiflächen zu schaffen. "Wir wollen den Ortskern beleben, auch mit jungen Familien. Und dann brauchen wir auch Platz, wo sie ihre Autos abstellen können", machte er deutlich.

"Gefährliche Engstelle"

Ähnlich stelle sich die Situation im Bereich Diebacher Straße/Häfnerstraße dar. Das staatliche Bauamt habe das frühere Raiba-Gebäude erworben, um es abzureißen. Von außen sehe es zwar noch passabel aus, doch drinnen sei es am Schimmeln. Durch den Abriss könne auch eine gefährliche Engstelle beseitigt werden. "Wenn die Holzlaster um die Kurve fahren, wird es richtig eng", weiß Warmuth.

Stadtbaumeister Detlef Mohr erwiderte, nicht alles sollte dem Verkehr untergeordnet werden. Der Abriss der früheren Bankfiliale allein bringe auch nicht den gewünschten Effekt.

Trips-Haus und alte Schule abzureißen, sei eigentlich nicht zu verantworten, meinte ein Diebacher, wofür er spontanen Beifall von anderen Ortsbürgern erhielt. "Bei der Renovierung der Kirchgaden gab es auch großzügige Sponsoren. Die könnte man ansprechen", schlug er vor. Waldemar Hauk ergänzte, das Schulhaus sei ein Stück Diebacher Geschichte, das es zu erhalten gelte. Markus Hauk verwies darauf, dass es noch mehr ungenutzte Grundstücke im Altort gebe, die als Parkplätze genutzt werden können.

Stadtbaumeister Mohr bezifferte auf Nachfrage die geschätzten Kosten für Abriss von Trips-Haus und Schulgebäude sowie Schaffung von Parkplätzen auf rund 121.000 Euro für die Stadt. "Wenn man dieses Geld stattdessen für die Sanierung nimmt, kann man doch schon viel machen", meinte ein Diebacher.

"Abbrechen oder sichern"

Zum Christ-Anwesen in der Diebacher Straße erklärte Detlef Mohr, dass dieses einsturzgefährdet sei. Entweder müsse es abgebrochen oder Sicherungsmaßnahmen durchgeführt werden. Das als Ersatzvornahme anzuordnen, sei Sache des Landratsamts, das finanziell in Vorleistung gehen müsste und die Kosten dann dem Eigentümer in Rechnung stellen könne.

Armin Warmuth erklärte, er hake immer wieder nach, aber seit über einem Jahr tue sich nichts in dieser Angelegenheit. Der Eigentümer sei "kaum auffindbar", und die Behörden schöben den schwarzen Peter hin und her. "Ich weiß nur eins: Wenn das Tor rausbricht, dann wird es sehr gefährlich. Dann muss nur zufällig gerade jemand vorbeikommen", warnte er.