Werner Seitz versucht Schüler für Mathematik-Wettbewerbe zu begeistern. "In Zeiten von G 8 ist es aber schwieriger geworden, Teilnehmer zu gewinnen", sagt Seitz. Deshalb setzt das Frobenius-Gymnasium nun möglichst früh an: Im neuen Schuljahr 2013/ 14 ist die 5b als spezialisierte "Mathe-Plus"-Klasse zusammengesetzt.

"Es soll keine Elite-Klasse sein", erklärt Seitz, "wir wollen keine reine Einser-Schüler." Vielmehr sind Kinder gefragt, die Spaß am Knobeln haben und gerne mathematische Probleme lösen. Seitz, Fachbetreuer für Mathematik, hat sich für sein Konzept den künstlerischen Bereich zum Vorbild genommen. Es gebe zum Beispiel Schulen mit Theater- und Musikklassen, in denen Chorsingen oder Schauspielen besonders gefördert würden.

Die Fünftklässler der 5b bekommen neben den regulären vier Stunden Matheunterricht pro Woche eine obligatorische Intensivierungsstunde und als Wahlfach eine extra Stunde "Mathe-Plus". Die Kinder lernen den Stoff, der für das G 8 gestrichen wurde: die römischen Zahlen, das binäre System und die Mengenlehre. "Das allein ist schon eine Bereicherung", meint Schulleiter Helmut Schreiner, selbst studierter Mathematiker. Die Schulaufgaben sind aber nicht schwieriger als in den anderen Klassen. Sie decken nur den regulären Lehrplan ab.

Zusätzlich bereitet Seitz die Kinder auf Mathematikwettbewerbe vor. Denn die Lösungen erforderten häufig eine ganz neue Herangehensweise und unterschieden sich vom Standard-Rezept aus dem Unterricht. "Knobeln und Probieren helfen häufig weiter", erklärt Seitz. Selbst er als Lehrer könne die Aufgaben der höheren Wettbewerbe nicht auf Anhieb schaffen. Seitz: "So viel Geduld habe ich nicht."

Schüler bilden eine Gemeinschaft
Er will möglichst viele aus der 5b als Teilnehmer gewinnen. Dadurch dass alle mathebegeisterten Schüler in einer Klasse sitzen, soll sich ein Gemeinschaftsgefühl zwischen ihnen entwickeln.

Das Frobenius-Gymnasium hat einen Rang zu verteidigen. Immer wieder beteiligen sich Schüler erfolgreich an Preisrunden. Beim 15. Landeswettbewerb Mathematik Bayern waren es diesmal fünf. Dafür darf sich das Gymnasium über eine Auszeichnung und ein Preisgeld zwischen 1000 und 1500 Euro freuen, denn es zählt bayernweit zu den acht besten Schulen. In der Vergangenheit gab es auch schon zwei Bundessieger. Sie haben eine naturwissenschaftliche Karriere eingeschlagen.

Mitmachen lohnt sich, denn den Siegern des Bundesentscheids winkt ein Stipendium. Auch deshalb will Seitz die Schüler in die Wettbewerbe bringen, weil sie Bedeutung für die Universität haben. Die Schüler müssen aber nicht zwangsläufig Mathematik studieren. Wer gut in Mathe sei, müsse nicht automatisch ein Mathestudium schaffen. "Es ist ein hartes Brot", sagt Seitz aus eigener Erfahrung.

Zumindest können die Fünftklässler, wie Schreiner meint, nach dem Mathe-Plus-Jahr die römischen Zahlen an Denkmälern lesen. "Das ist ein kulturgeschichtlicher Gewinn."