Der Zeitpunkt hätte nicht passender sein können. Während sich in Paris Staatsmänner und -frauen aus aller Welt Gedanken um ein besseres Klima machen, wird in der Grundschule Burkardroth die grüne Umweltfahne gehisst. Ganz feierlich, mit Europahymne, Schulleiter und Bürgermeister. Schließlich wurde die Bildungseinrichtung zum siebten Mal in Folge als Umweltschule in Europa ausgezeichnet. Wie in den Jahren zuvor gab es als Zeichen dafür eine grüne Fahne, die Projektleiterin und Lehrerin Claudia Klaas am vergangenen Freitag in Wiesentheit entgegengenommen hatte.


Nistkästen gereinigt

"Wir können zwar den Klimawandel nicht stoppen, aber einiges dafür tun, um die Folgen abzumildern", sagte sie während der Zeremonie zu ihren Schülern. Schließlich gingen Experten davon aus, dass es in zwei bis drei Jahrzehnten in unseren Breiten so warm ist, wie aktuell in Italien, und dass dadurch auch das Wasser knapp wird. Für die Kinder heute ist das noch unvorstellbar. Aber ein Grund mehr, sie für Umwelt- und Naturthemen zu begeistern und sie für einen sorgsamen Umgang mit der Natur zu sensibilisieren.
Doch zunächst bedankte sich Claudia Klaas für das Engagement. Schließlich haben die Jungen und Mädchen im vergangenen Schuljahr etliche Projekte im Schulwald an der Hermannsruh erledigt. Sie reinigten dort unter anderem die Nistkästen, erweiterten und pflegten den selbst angelegten Waldlehrpfad und Barfußpfad. "Ich habe die neue Strecke auch gleich ausprobiert. Sie war ganz schön stachelig", erzählte Bürgermeister Waldemar Bug (ödp).


Exkursionen

Parallel dazu unternahmen die Kinder mehrere Exkursionen in die Natur. In Zusammenarbeit mit dem Biosphärenreservat Rhön erkundeten sie Hecke, Bach und Streuobstwiese als Lebensräume. Im Wildpark Klaushof befassten sie sich mit dem Leben der Wildkatze.
Tierisch ging es auch an der Hermannsruh weiter. Dort hielten die Kinder erstmals ein eigenes Volk im Bienenstock, sahen es aufwachsen, konnten den Brutwabenbau und das Schwärmen der Königin beobachten. "Doch leider wurde es ein Opfer der Varoa-Milbe", so Klaas. Jedoch versprach sie, dass im kommenden Jahr ein neues Bienenvolk an der Hermannsruh leben wird. Auch im Schulgarten in Lauter und am Hochbeet in Premich waren die Kinder wieder aktiv. Sie haben unter anderem eine Kräuterschnecke geplant und gebaut.
Weder die Projektleiterin noch die Schüler wollen sich nun auf ihrer erneuten Auszeichnung ausruhen. Deshalb sind die nächsten Umwelt- und Naturprojekte bereits in Planung. "In diesem Schuljahr wollen wir uns mit dem Thema Plastik beschäftigen", erzählt Klaas. Es wird einen Workshop geben, bei dem die Kinder das Material aus alternativen Stoffen wie etwa Stärke herstellen. "Außerdem wollen wir ein Leben ohne Plastik ausprobieren", so die Lehrerin.
Entsprechende Tipps wie auch weitere zum Thema Energiesparen würden dann wieder von den Kindern im Burkardrother Gemeindeblatt Ortsschelle veröffentlicht. "Sie sind da sehr kreativ", lobt Claudia Klaas die Kinder.
Parallel dazu wird die Hermannsruh eine noch wichtigere Rolle spielen als bisher. "Hier wollen wir in Zusammenarbeit mit der Gemeinde ein Umwelt-Klassenzimmer einrichten", erklärt Schulleiter Roland Schmidt. Erste Gespräche würden bereits laufen. Das Gebäude samt Garten gehört der Gemeinde, sie hatte es vom bisherigen Besitzer geschenkt bekommen. "Dessen Wille war, dass die Hermannsruh für die Umweltbildung genutzt wird", erklärt Bürgermeister Waldemar Bug. Vielleicht klappt die Umsetzung ja schon bald, so dass sie dann in die Bewerbung um den achten Titel "Umweltschule in Europa" einfließen kann.

Umweltschule in Europa
Teilnehmer
Dieses Jahr haben insgesamt 275 Schulen in Bayern laut Umweltministerium die Auszeichnung "Umweltschule in Europa" erhalten, deutlich mehr als 2014. Da waren es "nur" 234 Bildungseinrichtungen gewesen. Nicht nur Grundschulen nahmen an dem Wettbewerb teil, sondern alle Schularten.

Im Landkreis Bad Kissingen Die Auszeichnung wird jeweils für ein Schuljahr vergeben. Lange Zeit war die Grundschule Burkardroth die einzige im Landkreis Bad Kissingen, die diese Auszeichnung tragen durfte. In diesem Jahr wurde sie aber auch der Schlossberg Grund- und Mittelschule in Nüdlingen verliehen.