Erst gestern wurden die Messpunkte mit Hilfe von Kontroll-Prismen wieder vermessen. Ein Geologe der Landesgewerbeanstalt, der vom Bauherren - der Carl-von-Heß'schen Sozialstiftung - engagiert wurde, schaute sich alles an. Er unterstützt die Vermessungs- und Planungsbüros (mindestens drei an der Zahl), die ohnehin die Bewegung des Hanges beobachten und dokumentieren. Denn es steht viel auf dem Spiel.

"Es geht um die Sicherheit für die Bauarbeiter", sagt Katharina Henderson-Lux, Projektleiterin für das neue Haus Waldenfels von der WSP Group, einem weltweit agierenden Ingenieur- und Beratungsunternehmens. Dann muss geklärt werden, ob die Hangbewegung so stark ist, dass die Gebäude-Geometrie gefährdet ist. Der Hang reagiert anders, als die Experten es im Vorfeld berechnet haben. "Es kann sein, dass die Planungen überarbeitet werden müssen", berichtete Heiner Schubert, ebenfalls von der WSP-Group.

Und natürlich geht es auch um die Schäden, die den Anliegern entstanden sind. "Wir sind auch Anlieger", sagt Henderson-Lux und meint damit, dass es für das neue Haus Waldenfels ebenso wichtig ist, dass der Hang hält. "Die Bürger haben das gleiche Anliegen wie wir." Das bringt ein bisschen Versöhnung in die Frage der Verantwortung. Denn für die Anlieger ist es keine Frage, dass die Schäden an ihren Häusern und Grundstücken mit der Baustelle zu tun haben.

Die Suche nach den Ursachen

Klar ist, dass noch nicht klar ist, wer - oder was - nun dafür verantwortlich ist, dass der Hang sich so massiv bewegt. "Es ist unstrittig, dass es Veränderungen gibt", sagt Schubert. Wo aber die Ursache für die Verschiebung liegt, ist zum jetzigen Stand der Untersuchungen noch nicht raus. Ein Gutachten von Klaus Rimpel vom Ingenieurbüro "Geotechnik" aus Schweinfurt nennt mehrere Möglichkeiten. Grund 1: Das Wetter. "Die aktuellen Bewegungen korrelieren auffällig mit den Witterungsverhältnissen, das heißt den langanhaltenden Niederschlägen im Mai 2013", ist in dem Gutachten zu lesen.

Der Regen aber verschlechtert die "bodenmechanischen Eigenschaften", will sagen, der Hang kommt leichter ins Rutschen. Folglich lautet Grund 2: "Durch die Abgrabungen unterhalb der Straße [...] könnte diese Tendenz ungünstig verstärkt worden sein." Schließlich führt Rimpel noch ein weiteres Argument an. "Technische Mängel" im Unterbau der Hartstraße könnten auch eine Ursache für die Bodenbewegung sein. "Die Hartstraße wurde im Jahr 1974 gebaut", berichtet Karl Heinz Weismantel vom städtischen Bauamt. 35 bis 40 Jahre solle ein Straße schon halten. Nun, die sind fast rum.

Wie dem auch sei - die Frage, wer für die Schäden gerade steht, rückt zunächst in den Hintergrund. Sicherheit hat erste Priorität, und zwar die Sicherheit aller: der Bauleute, der Anlieger und des neuen Haus Waldenfels. Bald soll entschieden werden, ob weitere Sicherungsmaßnahmen nötig sind. "Das ist eine Sache von Tagen", stellt Schubert klar.

Am Freitag stellten sich Landrat Thomas Bold (CSU) in seiner Funktion als Stiftungsratsvorsitzender und Marco Schäfer, Vorstand der Carl- von-Heß'schen Sozialstiftung den Fragen der Medien. "Dass das passiert ist, tut uns allen sehr weh", sagte Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU), die auch im Stiftungsrat sitzt. "Das Haus Waldenfels ist das Projekt, das unsere Stadt weiterbringt."