Auch bei der Überreichung stand er links von Landrat Thomas Bold (CSU). Daran werde sich nichts ändern, versprach Gerd Müller (SPD), als ihm sein Duzfreund und Fußball-Kamerad feierlich die Bundesverdienstmedaille überreichte.

Die beiden waren politisch zwar nicht immer ein Herz und eine Seele, schätzen sich aber persönlich sehr. Das wurde bei Bolds Laudatio deutlich, als er dem politischen Kontrahenten attestierte, es sei ihm stets um die Sache gegangen, er sei immer fair und sachlich gewesen.

Gerd Müller, Studiendirektor a. D., stammt aus Nürnberg, ist dort in einem sozialdemokratisch geprägten Umfeld groß geworden. 1976 ist er in die SPD eingetreten. Er begründete sein kommunalpolitisches Engagement so: "Als Sozialkundelehrer wollte ich überprüfen, ob das stimmt, was so in den Lehrbüchern zu lesen ist und ob das im Einklang mit der Realität steht."

Schnell hat er erkannt: "Es gehört große Leidensfähigkeit dazu, in diesem Landkreis ,Roter‘ und ,Club‘-Fan zu sein".

Dabei hat sich der stets bestens vorbereitete Gerd Müller durch seine ruhige, sachliche Art schnell den Respekt aller Fraktionen erarbeitet und mehr erreicht, als durch "politisches Gepolter" möglich gewesen wäre. Höchst selten einmal hat er in einer Diskussion, sei sie auch noch so hitzig und kontrovers gewesen, die Stimme erhoben.

In einem Team mit dem Landrat

Er hat auch "Geschichte" geschrieben: Er und seine Frau Christine (SPD) war das erste Ehepaar im Kreistag. Und: Er hat als erster "Sozi" und dienstältester Rat eine Sitzung leiten dürfen. Zwar nur wenige Minuten und auch für ihn überraschend - aber immerhin. Das sei so lange her, dass er sich daran nicht mehr erinnern könne.
Nicht vergessen ist aber sein Wirken. Landrat Bold erinnerte sich nicht nur an gemeinsame Fußballspiele: er, Bold, als Rechts-, Gerd Müller als Linksaußen; beide auch abwechselnd als Mittelstürmer. Gerd Müller habe sich bei der Ausübung seiner Ehrenämter durch Tatkraft und hohen persönlichen Einsatz weit über das normale Maß hinaus bewährt und hervorragende Verdienste erworben.

Gerd Müller hat sich aber auch im BLSV engagiert und im Münnerstädter Stadtrat. Dort sei er wesentlich an der Fortentwicklung der Stadt beteiligt gewesen. Er habe deren Geschichte Impulse geben und maßgeblich mitbestimmt, sagte Bold.

Politik Gerd Müller gehörte dem Kreistag Bad Kissingen von 1984 bis 2008 an. Er führte die SPD-Fraktion von 1987 bis zu seinem Ausscheiden aus dem Gremium. Gleichzeitig war er Stadtrat in Münnerstadt. Hier war er unter anderem Referent für Umwelt und Natur sowie Fraktionsvorsitzender (1987 bis 2004). Außerdem gehörte er dem Zweckverband Sparkasse und dem Ausschuss des Regionalen Planungsverbandes an.

Sport Stellvertretender Kreis-Vorsitzender des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV) war der Hobby-Fußballer Gerd Müller von 1987 bis 1999.

Ehrungen Gerd Müller ist Inhaber der BLSV-Verdienstplakette in Bronze. Er hat 2003 die Kommunale Dankurkunde erhalten, 2005 die Silberne Stadtmedaille Münnerstadts und 2008 das Landkreis-Ehrenzeichen in Gold. Jetzt hat ihm Bundespräsident Joachim Gauck die Medaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.