"Von unseren Bewohnern leiden 80 Prozent an Demenz", sagt Andrea Eckert. Die Klientel ändere sich. Es gebe nicht nur die Alten aus der Kriegsgeneration, sondern auch jüngere Bewohner, erklärt die Leiterin des Probst-Heims.
Auf diesen Wandel bereitet sich das Probst-Heim mit dem Neubau für das Haus II vor. "Durch den Neubau können wir die neusten Standards umsetzen", sagt Marco Schäfer, Vorstand der Carl von Heß´schen Sozialstiftung. Das jetzige Haus II (ehemaliges Schwesternwohnheim) erfüllt nicht die heutigen Ansprüche an Funktionalität und Barrierefreiheit. So sind die Duschkabinen nicht behindertengerecht.
Das neue Gebäude ist für ein Betreuungsmodell konzipiert, das sich speziell an demente Bewohner richtet. Es entwickelt die Ansätze weiter, nach denen bereits gearbeitet wird. Die 44 Bewohner des Neubaus sind in vier Wohngruppen mit jeweils 11 Personen zusammengefasst. Das zweistöckige Haus verfügt über 36 Einzel- und vier Doppelzimmer.
Das Zentrum jeder Wohngruppe bildet ein gemeinsamer Wohn- und Essbereich. Dieser ist auch mit einer Küche ausgestattet. Sie wird in die Therapie eingebunden. Das Ziel ist es, zum Beispiel beim gemeinsamen Kochen an die Alltagserfahrungen der Bewohner anzuknüpfen. "Demenzkranke wissen nicht, was sie gerade gemacht haben, aber erinnern sich an Geschehnisse in der Vergangenheit", erläutert Eckert. Wie die Heimleiterin berichtet, haben die Mitarbeiter bereits erprobt, die Bewohner in den Heimalltag einzubeziehen.
Der Neubau kostet 4,1 Millionen Euro. Ein Gang wird ihn mit dem Haus I verbinden. Der Korridor fehlt aber noch an dem fertigen Rohbau von Haus II. Durch die Nähe der beiden Gebäudeteile wird das Probst-Heim auch architektonisch zu einer Einrichtung. "Es ist wichtig, dass wir zusammenwachsen", sagt Eckert. Deshalb möchte sie auch nicht mehr zwischen Alt- und Neubau unterscheiden: "Wir sind ein Haus."
Für Februar 2013 ist der Auszug aus dem Schwesternwohnheim geplant. Aber nicht alle Bewohner kommen automatisch in das neue Haus II. Die Wohngruppen werden nach den Bedürfnissen, den Fähigkeiten und dem Betreuungsbedarf der einzelnen Personen zusammengestellt. Es habe bereits Vorgespräche mit den Angehörigen gegeben, erklärt Eckert.