Die Anspannung lag deutlich in der Luft beim ersten Jahreskonzertes der Georgis unter dem neuen Dirigenten Markus Greifensteiner. Und offenbar wollte das Orchester diesen Druck noch zusätzlich erhöhen, denn mit "Fanfare and Flourishes" von James Curnow trugen die Musiker gleich ein sehr anspruchsvolles Stück vor. Dieses erste Stück musste Greifensteiner noch "nackig" dirigieren, danach gab's vom Vorsitzenden Markus Hehn einen Dirigentenstab.
"Da merkt man sofort, dass da ein gelernter Schlagzeuger dirigiert", sagte die begeisterte Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks nach dem Konzert. Joachim Scholz, selbst Dirigent eines namhaften Orchesters, schlug in dieselbe Kerbe: "An seiner linken Hand konnte man den Schlagzeuger im Dirigenten deutlich sehen."
Beim 80er-Jahre-Radiohit "Gardenparty" der isländischen Gruppe Mezzoforte hörte man deutlich, dass Orchester und Dirigent zueinanderfanden und gemeinsam spielten. Und so steigerten sich Ensemble und Dirigent hörbar, fühlbar und sichtbar von Stück zu Stück. Nahezu jede Darbietung bot reichlich Platz für virtuos gespielte Soli der verschiedenen Instrumente. Trotz Krankheit geschwächt und dezimiert zeigte der Posaunensatz bei "Playing Trombones" , dass er zu den tragenden Säulen gehört.
Ganz neu im Programm und von Markus Greifensteiner einstudiert, das Stück "Feeling Good" des kanadischen Jazzsängers Michael Buble. Hier entwickelten die Georgis die ganze Bandbreite ihres Big-Band-Sounds. Besonders die alten Hasen unter den Musikern mussten schwer an sich arbeiten, um dem neuen Dirigentenstil zu folgen.
"Georgis bleiben Georgis, was soll sich groß ändern bei der Qualität der Musiker", sagte Joachim Scholz. Ein Kompliment aus berufenem Munde, dem sich nach dem Konzert zahlreiche weitere Komplimente und Gratulationen der Zuhörer anschlossen. Pfarrer Michael Krammer war vom Konzert der Hauskapelle der Pfarrei sehr angetan, insbesondere da seine Heimatkapelle in Kothen momentan etwas schwächelt: "Ich überlege, ob ich nicht die Georgis mit rübernehme, denn eine Fronleichnamsprozession ohne Musik ist fürchterlich."
Sanfte, ungewohnte Klänge gab es beim ebenfalls neu einstudierten "Ballade pour Adeline", dem Klavierschmuselied, bekannt durch Richard Clayderman Ende der 70er Jahre. Hier gab die Altsaxophonistin Isabel Dill ihre gelungene Premiere als Pianistin des Orchesters. Harmonisch ordnete sich das Orchester den sanften Klängen des Pianos unter.
Auch bei einem Medley von Musicalstücken Andrew Lloyd Webbers machten das Orchester und sein Dirigent deutlich hörbar, wie weit ihr Findungsprozess schon abgeschlossen ist. Zahlreiche Soli etwa vom zärtlich schnurrenden Kätzchen des Saxophons von Isabel Dill rundeten das Stück ab.
Beim Phantom der Oper fraß sich der Dirigent förmlich in sein Orchester hinein, Pfarrer Krammer in der ersten Reihe sitzend hätte ihn fast am nicht vorhandenen Hosengürtel festhalten wollen. Hier war Spaß am Spiel pur zu hören. Dies setzte sich als Kontrastprogramm im Liebeslied "Bist du bei mir" von Johann Sebastian Bach fort. Gewagt und gewonnen: den Bogen zu schlagen von Webber zu Bach. Denn jetzt hatte es auch den letzten Zuhörer gepackt, der Funke war übergesprungen und das Feuer im Orchester hatte gezündet.
"Happiness" lautete die knappe Aussage von Dirigent Markus Greifensteiner unmittelbar nach dem Konzert als sein Resümee des Abends. Ihm sind sichtbar Lasten von den Schultern gefallen, so locker entspannt wirkte er nach dem Konzert. Passend zu diesem gelungenen Musikabend auch die traditionell sketchartige Darbietung der Schlagwerker. "Neulich im Büro" ohne Worte und doch mit vielen Lauten aus dem Mund, rhythmisch klappernder Schreibmaschine und dem Stakkato von Bleistiften auf der Tischplatte begeisterten die fünf von der Rythmusgruppe.
Bei "Satchmo", einem Medley nach Lois Armstrong , versetzte Trompeter Roland Leitsch die Zuhörer singend in die swingenden Südstaaten. Selten gespielt, da sehr anspruchsvoll, aber umso mitreißender die heimliche Nationalhymne der Vereinigten Staaten, der Marsch "Stars and Stripes Forever" als Schlussstück des Konzerts, das aber erst nach zwei Zugaben unter tosendem Applaus für Orchester und vor allem für den neuen Dirigenten Markus Greifensteiner endete und zugleich hoffentlich den Anfang bildete für zahlreiche weitere abwechslungsreiche, musikalisch anspruchsvolle Konzerte der Georgi Bläser der Pfarrei Bad Brückenau.
"Toll, super reingesteigert, Georgibläser heißt Extraklasse" so und ähnlich lauteten die begeisterten Kommentare der Zuhörer nach dem Konzert. Greifensteiner musste jede Menge Hände schütteln.