"Der Frieden im Dorf muss uns etwas weniger Strom Wert sein," so brachte Bürgermeister Günter Kiesel (CSU) die Debatte um die potenziellen Nüdlinger Windkraft-Standorte auf den Punkt. Und dieser Meinung schloss sich der Gemeinderat fast einstimmig an. Allerdings will die Gemeinde für den von der Genossenschaft gewünschten Standort 3 eine Alternative anbieten.

Der Gemeinderat hatte über den Antrag der Energiegenossenschaft zu befinden, die gemeindliche Waldflächen für drei Windräder pachten will. Die Energiegenossenschaft hatte betont, dass der Standort 3 den besten Stromertrag liefern werde, ein Alternativstandort weit darunter bleiben würde.

Wie Kiesel eingangs sagte, schlössen Gutachten bei allen drei Standorten die von den Gegnern befürchteten Beeinträchtigungen aus. Dennoch habe ihn eine Liste mit gut 250 Unterschriften von Bürgern erreicht, die den Standort 3 kategorisch ablehnen, sich mit den Standorten 1 und 2 dagegen abfinden würden. Zwei weitere Bürger wenden sich generell gegen alle drei Anlagen. Sie erwarten neben einer Verschandelung der Natur unter anderem einen Wertverlust von Immobilien und den Verlust eines Naherholungsgebietes. Sie wollen ein weiteres Gutachten einholen und alle Rechtsmittel ausschöpfen.


Die Bürger ernst nehmen

Kiesel, der auch auf die generelle Zustimmung der Schlossberg-Schule verwies, betonte, die Sorgen der Bürger ernst nehmen zu wollen. Ihn selbst störe die dominante Wirkung eines Windrades auf Standort 3 ebenfalls, "das ist mir zu nah am Talbereich dran." Zudem fragte er: "Was machen wir, wenn die Windräder stehen und laut sind?"

Die Gemeinde sollte laut Kiesel vorbeugend reagieren. Er werde der Verpachtung von Grund für die Standorte 1 und 2 zustimmen, Standort Nummer 3 aber ablehnen. Der Friede im Dorf müsse etwas weniger Strom Wert sein.
Ludwig Brumm (SPD) stimmte dem Bürgermeister zu, Alfred Schäfer (CSU) schloss sich an. Man dürfe die Sorgen und Nöte der Bürger nicht wegreden. Genau so sah das Arthur Stollberger (CSU), zumal die Energiegenossenschaft betont habe, nicht gegen den Willen der Bürger bauen zu wollen.


Alternative zum Atomstrom

Alle drei Standorte befürwortete dagegen Volker Schäfer (SPD). Er sei bei richtigem Wind nach Rannungen gefahren und habe sich an verschiedene Stellen rund um das dortige Windrad postiert um festzustellen, welchen Lärm die Windräder machen. Das Rauschen der Blätter sei lauter gewesen. Er erinnerte - ebenso wie Ruth Heim (Unabhängige Wählergruppe Haard) an die Alternative zur umweltfreundlichen Energie, das AKW in Grafenrheinfeld. "Wir wollen vom Atomstrom weg, ich denke, dass man auch mit den drei Anlagen leben kann."
An die Bürger weitergeben wollte Christian Höfler (Bürgerblock) die Lösung des Problems, indem er eine Bürgerbefragung beantragte, deren Ergebnis dann für den Gemeinderat bindend sein müsse. Kiesel und die meisten Gemeinderäte gingen davon aus, dass eine solche Bürgerbefragung mit einem positiven Votum für alle drei Standorte enden würde. Der Bürgermeister mahnte, auch die Meinung von Minderheiten zu berücksichtigen. Höflers Antrag, den Bürgermeister Kiesel später zur Abstimmung stellte, fiel denn auch mit 12 : 3 Stimmen durch.

Andererseits zeigte sich der Gemeinderat weitgehend einig, der Energiegenossenschaft eine Alternative für den Standort 3 anzubieten. Wenn dieser Alternativstandort aufgrund seiner Lage weniger Strom bringe, könne die Gemeinde der Energiegenossenschaft anderweitig unter die Arme greifen.

Letztendlich lehnte das Gremium den Antrag der Genossenschaft auf die von ihr gewünschten drei Standorte ab und folgte mit 14 : 1 Stimmen dem Vorschlag Kiesels, der Energiegenossenschaft den Grund und Boden für die Windräder 1 und 2 anzubieten und für ein drittes Windrad einen Alternativstandort anzubieten.

Wie sehr die Bürger das Thema Windrad-Standorte auf den Nägeln brennt, bewies die hohe Zahl von Zuhörern. Zur öffentlichen Gemeinderatssitzung waren über 30 Bürger im Rathaus erschienen.