Technische Knobeleien, Lieferschwierigkeiten bei Bauteilen, Verzögerung im Zeitplan. Die Baustelle am Runden Brunnen hält für die Arbeiter immer wieder Überraschungen bereit, wie vor kurzem bei einem ersten Testlauf im Technikgebäude. Das extrem CO2 -haltige Heilwasser des Brunnens wird von dort zum Gradierbau gepumpt, wo es über die Schwarzdornreisig rieselt. "In einem Zwischenbehälter hatten wir auf einmal so viel Gas, dass sich der Deckel leicht gehoben hatte", berichtet Hartmut Holzheimer vom Wasserwirtschaftsamt.
"Die bestehende Leitung hat den Überschuss nicht weggebracht. Es wurde also eine zweite Öffnung installiert, die doppelt so groß wie die erste ist", erklärt der Fachmann für Heilquellenschutz weiter. Außerdem wurde eine zusätzliche Sicherung angebracht, die verhindern soll, dass sich der Deckel bei zu hohem Druck hebt und Gas entweichen lässt.


Pumpenhaus geht in Betrieb

Zum Hintergrund: Seit dem Abriss der Heinz-Kalk-Klinik vor acht Jahren ist das Gelände zwischen Gradierbau und Saale ungenutzt und der Runde Brunnen ist nicht mehr sichtbar. Ende vergangenen Jahres hat der Freistaat damit begonnen, die Brache wieder herzurichten: Der Runde Brunnen wurde saniert und hat eine eigene Betoneinfassung bekommen, das Betriebsgebäude ist neu entstanden und der Außenbereich wird derzeit von einer grünen Wiese in eine wellenförmige Parkanlage umgestaltet.
Die Arbeiten sind mittlerweile mehrere Monate in Verzug, nach dem ursprünglichen Zeitplan hätten sie im Mai beendet sein sollen. "Eine offizielle Übergabe wird es wohl erst im nächsten Jahr geben", dämpft Holzheimer die Erwartungen. Das Technikgebäude ist dagegen bis auf eine gründliche Reinigung fertig und soll nach der Urlaubszeit in der ersten Septemberwoche von der Staatsbad GmbH in Betrieb genommen werden.


Weg durchschneidet Wellen

Die Arbeiten konzentrieren sich derzeit auf die Außenanlagen. Bagger fahren Erde an und verteilen sie rund um Brunnen und Pumpenhaus. Bauarbeiter füllen das Areal wieder auf, schaffen eine Zufahrt für Wartungsfahrzeuge zum Betriebsgebäude, legen Lehrrohre für die Beleuchtung und gestalten den 90 Meter langen Hauptweg. "Wir wollen die Geländearbeiten so zeitig wie möglich fertigstellen. Das Wichtigste sind im Moment die Arbeiten am Hauptweg", sagt Holzheimer.
Dieser führt durch das Technikgebäude durch zum Brunnen und setzt sich dann weiter Richtung Nordbrücke fort. Die Länge des Weges symbolisiert dabei die Tiefe des Brunnens. "Der Weg wird mit unterschiedlich gefärbten Waschbetonplatten gepflastert", erklärt er. Die Farben stellen die unterschiedlichen Gesteinsschichten dar, durch die der Brunnenschacht verläuft.
Mit dem Weg hängt eine weitere technische Herausforderung zusammen: Wie oben bereits kurz erwähnt, legt die Kurgärtnerei den Außenbereich wellenförmig an, wobei die Wellen mit zunehmender Entfernung zum Brunnen in Richtung Nordbrücke höher werden. Der Hauptweg bleibt dagegen auf einer Höhe und durchschneidet die Wellen. Damit das baulich funktioniert, müssen die Wellenberge rechts und links des Weges mit Betonfundamenten abgestützt werden. Wenn das Gelände modelliert ist, ist auf der Baustelle dennoch nicht Schluss. Holzheimer: "Der nächste große Akt sind dann die Stelen, die rund um den Brunnen aufgestellt werden."
Auch wenn nicht alle Arbeiten in diesem Jahr fertig werden und obwohl die Kosten wegen der aufwendigeren Außenanlagen von 1,7 auf rund zwei Millionen Euro gestiegen sind, sind die Verantwortlichen bisher zufrieden. "Ich bin begeistert, dass das Pumpenhaus gar nicht auffällt", findet Holzheimer. Das dominante Gebäude bleibe nach wie vor der Gradierbau. Architekt Erwin Full vom Staatlichen Bauamt erwartet sich von der ganzen Anlage einen echten Hingucker. "Ich bin selbst neugierig, wie das Wegenetz in Verbindung zu den Wellen aussehen wird", sagt er.