Die Kanalsanierung in der Altstadt lässt noch auf sich warten. Noch wurde kein einziges neues Rohr verlegt. Anders auf dem Gelände der ehemaligen Stadtgärtnerei. Dort simuliert das städtische Bauamt auf drei Testfeldern, wie sie die neuen Kanäle und die vielen Ver- und Entsorgungsrohre betten soll. Das Zauberwort heißt Flüssigboden.

Die Altstadt von Bad Kissingen ist ein besonderes Pflaster. In den Gassen geht es eng zu, die Häuser sollten vor Erschütterung durch die Kanalbauarbeiten möglichst verschont bleiben. Vor allem aber unterscheidet sich das Grundwasser Bad Kissingens von dem anderer Städte, handelt es sich dabei doch um Heilwasser.

"Normalerweise werden Kanäle, Leitungen und Hausanschlüsse mit normalem Boden verfüllt", sagt der Leiter des Tiefbauamtes, Thomas Hornung. Die Stadt möchte einen anderen Stoff: Flüssigboden.


Ohne Erschütterungen

Diese Mischung aus mineralischen Komponenten und einem Stabilisator, die sich wie Wasser gießen lässt und anschließend aushärtet, hat nach Auffassung des Bauamtes eine Menge Vorteile. Die Flüssigkeit umfließt die Rohre vor dem Erhärten. "Man muss nicht rütteln und stampfen", sagt Hornung, die umliegenden Gebäude würden nicht erschüttert. Außerdem entstünden weniger Staub und Lärm in der Innenstadt. Deshalb möchte die Stadt auch für die Abdichtungsschicht, die die Kurgartenquellen schützen sollen, Flüssigboden verwenden.
Warum dann nicht gleich Beton nehmen? Beton wird hart, lässt sich später nur mit Presslufthammer wieder lösen. Der Flüssigboden lässt sich sogar mit dem Spaten aufgraben", betont Detlef Jäger vom Tiefbauamt.


Reale Bedingungen

Welche Mischung der Flüssigboden haben soll, das testet das Tiefbauamt derzeit in der ehemaligen Stadtgärtnerei unter realen Bedingungen, aber auch im Labor. So dürfen zum Beispiel beim Abbindeprozess keine Rissse entstehen, vor allem nicht in der Dichtungsschicht. Deshalb werden verschiedene Mischungen ausprobiert. Die auf Testfeld ein zum Beispiel dürfte keine Chance haben, hier zeigen sich Risse.

Außerdem darf der Flüssigboden Rohre und Leitungen nicht angreifen. Denn in den Altstadtgassen werden im Zuge der Kanalsanierung nicht nur die Stränge für das Abwasser neu verlegt, auch Telekommunikations-, Strom-, Wasser- und Gasleitungen liegen unter der Erde, werden zum Teil neu verlegt. Gleichzeitig sollte der Flüssigboden nicht so flüssig sein, dass er in die Rohrverbindungen hineinfließt oder die noch leeren Rohre beim Eingießen des Flüssigbodens aufschwimmen. Schließlich muss die Deckschicht stark genug sein, dass sie nicht von schweren Lastwagen zerstört und aufgerieben wird. All diese Tests hat der Flüssigboden bestanden, nachdem die richtige Mischung gefunden war.


Mineralwasseresistent

Zurück zum Grundwasser, das in seiner Zusammensetzung dem Pandur entspricht. Dieses aggressive Wasser darf den Flüssigboden nicht oder nur ganz minimal angreifen. Hier haben Labortests ergeben, dass das gemisch dem Mineralwasser weitestgehent trotzt.

Die Stadt und die anderen Sparten, die in der Altstadt Leitungen unter der Erde haben - wie Stadtwerke und Telekom - teilen sich die Kosten des Tests in Höhe von 60 000 Euro, wobei die Stadt 60 Prozent der Kosten trägt. Es scheint, als habe sich die Teststrecke rentiert. "Bis jetzt waren die Ergebnisse ok", sagt Hornung.