von unserer Mitarbeiterin Anja Vorndran

Bad Kissingen — Christian Schießer freut sich über Nässe. Beim Sicherheitstraining der Verkehrswacht auf dem Übungsgelände in Reiterswiesen sollen die Fahrer schließlich lernen auch in Extremsituationen richtig zu reagieren - Aquaplaning inklusive. Also schaltet Schießer, der hauptberuflich als Fahrlehrer bei der Bundespolizei arbeitet, die Bewässerungsanlage an. Unterstützt wird er bei seinem Training "Könner durch Erfahrung" von Dieter Wagner, Manuela Wilm und Thomas Ziegler, alle drei sind ebenfalls Fahrlehrer. Ratz Fatz sieht die Übungsstraße wie eine Autobahn bei Starkregen aus. Eine gute Situation für die Fahranfänger und auch gut für die Praxiserprobten.
Auf dem Gelände sollen beileibe keine zukünftigen Stefan Vettels trainiert werden, es geht darum Situationen zu meistern, die im Autoalltag täglich lauern. Vollbremsung auf nasser Fahrbahn, Ausweichmanöver, Wenden auf engem Raum - kurzum, der Fahrer soll sein Auto richtig gut kennen lernen. Mit allen Ecken und Kanten und auch in Kurvenlage. Schießer, der seit 1989 für die Verkehrswacht ehrenamtlich tätig ist, bietet auch ein Sicherheitstraining speziell für Senioren an.
Bevor die Teilnehmer in ihrem eigenen Wagen auf die Strecke gehen, nimmt sich der Fachmann für theoretische Fakten Zeit, die beim Fahren wichtig sind: Reifen gehören dazu. "Sie sind das wichtigste Bauteil am Auto" informiert Schießer und löst damit erst einmal Verwunderung aus. Sind nicht Bremsen viel wichtiger? Natürlich sind sie wichtig, aber was nützt das beste Bremssystem, wenn die Reifen abgefahren sind? Genau, es nützt nichts.
Musik sollte man nicht zu laut hören, auch wenn die Mitfahrer nölen oder grölen sollten, eine Situation, die oft nach Diskobesuchen entsteht. Durchsetzen muss sich der Fahrer auch bei Anschnallunwilligen auf den hinteren Sitzen. "Im schlimmsten Fall" so Schießer "einfach nicht losfahren", denn bei einem Unfall, "rauscht der Hintermann fast wie ein Elefant nach vorne, damit schadet er sich nicht nur selbst, sondern auch dem Vordermann.".

Ein Drittel weniger Unfälle

Bis zu einem Drittel weniger in Unfälle verwickelt sind Autofahrer, die an Sicherheitstrainingstagen teilgenommen haben, belegt die Statistik, bis zu 230 Autofahrer pro Jahr lassen sich in Bad Kissingen bei der Verkehrswacht schulen.
Nach der Theorie geht es rauf auf die Piste, die sechs Frauen und acht Männer bekommen von Manuela Wilm gezeigt, wie man richtig im Auto sitzt: Dazu zählt der Abstand der Arme vom Lenker, der Abstand vom Kopf zum Autodach, wie man sich anschnallt oder die Kopfstützen eingestellt werden.
Weiter geht es zur Aqua-Planing-Regen-Strecke. Hier schätzen die Zuschauer, wie lange der Bremsweg bei Thomas Ziegler sein wird, der mit 30 km/h eine Vollbremsung, die sogenannte Gefahrenbremsung, hinlegt. Und es wird geschätzt, um wie viel Meter sich der Bremsweg erhöht bei nur zehn oder bei 20 km/h mehr. Bei diesen Übungen kommt ein Dummy zum Einsatz - man mag sich nicht vorstellen, welche Verletzungen bei einem Crash schon bei geringer Geschwindigkeit entstehen, sollte es sich um einen echten Menschen handeln.
Das Kurventraining ist die einzige Übung, bei der der Fahrlehrer mit im Auto sitzt und als Beifahrer Anweisungen gibt. Gas geben zum Beispiel, auch wenn man selbst eher langsamer fahren möchte. Es ist aber wichtig eine bestimmte Geschwindigkeit zu erreichen, um das Ausbrechen des Wagens vermeiden oder, es wieder einfangen zu können. "Rund zwanzig Runden sollte man fahren, um das einzuüben", rät Schießer.