Es ist ein Moment, der einem Schauer über den Rücken jagt. Gut ein Duzend Menschen steht im Halbdunkel. Sie singen. Die Wände der Kuppel werfen den Gesang acht Mal lauter und mit zwölffachem Echo zurück. Die Gruppe steht im Inneren des Radoms auf der Wasserkuppe. Alte und Junge singen "Bruder Jakob" - auf Deutsch und auf Französisch. Ein wenig später tritt Sandy Harris in den Kreis, der die Mitte des Raumes markiert. "I love music", sagt sie. "Music, music, music", hallt es noch 1,8 Sekunden nach.

Zentrum des Segelflugs

"Von der Wasserkuppe aus kontrollierte die Bundesrepublik Deutschland den Luftraum in der ehemaligen DDR", sagt Marc-Alexander Glunde. Der Geschäftsführer der Radom Flug gGmbH führt die Besucher aus den Partnerstädten Ancenis und Kirkham durch das Radom. "Wir sind zum ersten Mal hier drin", zeigt sich Rosemary Brockbank beeindruckt. Von der Aussichtsplattform aus schweift ihr Blick über Berge, das Kali-Bergwerk und die Segelflugzeuge, die überall am Himmel zu sehen sind.

"Den Segelsport verdanken wir eigentlich den Franzosen", sagt Gerhard Schumm aus Bad Brückenau mit einem Augenzwinkern. Nach dem Ersten Weltkrieg verboten sie nämlich den Deutschen, mit Motor-Flugzeugen zu fliegen. "Da haben Ingenieure aus Frankfurt einfach Segelflugzeuge entwickelt", erzählt Schumm. Noch heute ist die Wasserkuppe ein Zentrum des Segelflugs. Einige Franzosen und Engländer nutzten auch gleich die Chance für einen Rundflug über die Rhön.

Partnerschaft lebt vom Nachwuchs

Christoph Starz, Arzt an der Sinntalklinik, bleibt lieber auf dem Boden. Seine Familie hat heuer zum ersten Mal Gäste aufgenommen. "Noch nie war jemand aus einem anderen Land bei uns zu Besuch", erzählt seine Tochter Caroline aufgeregt. Mit ihren zehn Jahren geht sie in die Grundschule und lernt nicht Französisch. Noch nicht.

"Die Partnerschaft lebt vom Nachwuchs", erklärt Starz, warum sich die Familie im Förderverein Europäischer Städtepartnerschaften engagiert. "Wir wollten unseren Kindern diese Erfahrung ermöglichen."