Mit Staatsminister Albert Füracker (52, CSU) hatte der CSU-Kreisverband und alle Ortsverbände ihren für Bad Kissingen wohl kompetentesten Wahlkampfhelfer eingeladen. Schließlich ist Füracker nicht nur als Finanzminister Chef aller bayerischen Staatsbäder, sondern als Heimatminister auch maßgeblich für die Behördenverlagerungen verantwortlich.

"Wir werden für Bad Kissingen tun, was in unserer Macht steht", versprach er am Sonntagabend seinen Zuhörern in dem wohl wegen des angesagten Orkans nicht gänzlich gefüllten Kurgartencafé.

"Wenn wir über Sturm sprechen, sind wir bei der CSU richtig", nahm Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner das Stichwort auf und warb als Moderator für seine Partei sowie für die Wiederwahl von Landrat Thomas Bold und die Neuwahl von Gerhard Schneider zum Oberbürgermeister bei der Kommunalwahl am 15. März. "Denn bei uns geht es ebenso dynamisch zu."

Thema Kurhaushotel "sehr komplex"

Die dann folgenden zwei Stunden verliefen weniger stürmisch und offenbarten wenig Neues. Vielmehr erinnerten die Diskussionsteilnehmer an das bisher vom Freistaat zugunsten der Stadt Bad Kissingen Geleistete. Neu mag für einige vielleicht die Versicherung Fürackers gewesen sein, dass der Freistaat aktuell mit einem "ernsthaften und solventen Interessenten" für den Bau eines neuen Kurhaushotels verhandelt. Allerdings könne er zum weiteren Fortgang der Verhandlungen, die ohnehin nicht vom Finanzministerium, sondern in neuer Verantwortlichkeit vom Bauministerium geführt werden, nichts versprechen. Er versicherte aber nachdrücklich allen Skeptikern: "Das Thema ist nicht aufgegeben, allerdings auch sehr komplex."

Auf die Frage, wie sich der Freistaat verhalten wird, wenn 2025 der Konsortialvertrag mit Bad Kissingen über die Führung des Staatsbades endet, wollte er sich nicht festlegen lassen: "Je besser die Ideen sind, die Bad Kissingen vorlegt, umso schwieriger wird es für den Finanzminister sein, Nein zu sagen." OB-Kandidat Schneider nahm den Minister beim Wort und kündigte im Falle seiner Wahl frühzeitige Verhandlungen an. Die Stadt, die bereits seit zwei Jahren mit 53 Prozent die Mehrheit in der Staatsbad GmbH hat, müsse in Zukunft noch mehr Verantwortung in der GmbH übernehmen, so Schneider weiter. "Die Geschäftspolitik muss von Bad Kissingen aus gesteuert werden. Die GmbH ist der Motor für unsere Gesundheitsregion." Dem stimmte Landrat Thomas Bold zu: "Wir brauchen vor Ort Verantwortliche, die den Takt vorgeben."

Neues Institut für Kurortmedizin weitere Chance

Beide, Bold und Schneider, sahen zudem in der neuen Position Bad Kissingens im Verbund mit Bad Neustadt als Oberzentrum beste Entwicklungsmöglichkeiten für die Zukunft von Stadt und Landkreis. "Hier ist seit der Vertragsunterzeichnung nichts mehr passiert", kritisierte Schneider. Es fehle seitens der Verwaltung an Konzepten. Das Zentrum für Telemedizin sei nur ein Impuls für die Zukunft. Das neue Institut für Kurortmedizin sei eine weitere Chance, ergänzte Schneider. "Dessen Bedeutung für Deutschland wird man noch erkennen."

"Persönlich verhandeln"

Die Themenvielfalt der CSU-Veranstaltung reichte vom Breitbandausbau bis zum ÖPNV, von der Krankenhaussicherung bis zum Straßenbau. Vor allem in der Stadt müsse beim Straßenbau viel mehr getan werden, monierte Schneider Versäumnisse in der Vergangenheit. Da auch er weiß, dass Baufirmen dank aktueller Hochkonjunktur kaum noch Aufträge annehmen können, zog Schneider daraus die Konsequenz: "Wenn ich Oberbürgermeister bin, baue im im Servicebetrieb eine eigene Straßenbaukolonne zur Beseitigung kleinerer Oberflächenschäden auf." Die Sanierung der Fußgängerzone sei ohne staatliche Zuschüsse nicht machbar. "Da reicht es nicht, wie bisher nur Briefe an Ministerien zu schreiben. Da muss man persönlich verhandeln", versprach Schneider als Oberbürgermeister dies zu tun.

Zuvor hatte schon Finanzminister Füracker auf die bisherigen Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe im Staatsbad, die Stabilisierungshilfe für die Stadt in Höhe von 15 Millionen Euro und die Behördenverlagerungen mit dem Landesamt für Gesundheit und dem Schulungszentrum für Amtsärzte mit insgesamt 200 Arbeitsplätzen verwiesen: "Der Freistaat ist sehr präsent in Bad Kissingen."

Zur Kommunalwahl am 15. März mahnte er alle Wahlberechtigten: "Wir müssen auf unser Land aufpassen." Mit Blick auf die aktuellen Ereignisse in Thüringen ergänzte er: "Die Demokratie ist dann gefährdet, wenn wir Toleranten den Intoleranten zu viel Spielraum geben. Die Frage ist doch: Entscheiden wir oder lassen wir andere über uns entscheiden?"