Wenn Dr. Wolfgang Silkenat auf die Gewässer im Landkreis Bad Kissingen zu sprechen kommt, gerät er schon einmal in Schwärmen. Der Fischereifachberater des Bezirks Unterfranken hofft, dass irgendwann einmal sogar wieder Lachse ein Stück die Saale und Sinn hinaufschwimmen werden. Heile Welt also? Das auch wieder nicht. Auch in den Gewässern der Region sind die Fischbestände zurückgegangen. "Man muss etwas tun, um alles am Leben zu erhalten", stellt Silkenat fest.

"Sauberes Wasser ist das Markenzeichen der Gewässer in der Rhön", sagt Wolfgang Silkenat. Dieser Meinung ist auch Kurt Fröhlich (Oberthulba), der Vorsitzende des Angelvereins Hemmalburg. "Die Wasserqualität ist sehr gut", sagt er und nennt beispielsweise die Thulba.

Kurt Fröhlich hat ein Problem an der Thulba: Den Wassermangel. Den beobachtet er im Sommer seit Jahren an den kleinen Zuflüssen der Saale. Die Thulba, sagt er, hätte früher deutlich mehr Wasser geführt. Er fürchtet, es liegt nicht nur an den Niederschlägen, sondern auch daran, dass immer mehr Trinkwasser aus tiefen Brunnen gefördert wird und kleine Quellen dadurch versiegen.

Im Sommer 2015 seien die Pegelstände so niedrig gewesen wie lange nicht mehr, sagt Wolfgang Silkenat. Die Bahra im Grabfeld sei 2015 sogar zeitweise komplett ausgetrocknet gewesen. Obgleich die Rhön noch besser davon gekommen sei als andere Gebiete Unterfrankens, sieht Dr. Wolfgang Silkenat die Wasserstände mit "einer gewissen Sorge". Er hätte sich jetzt eine längere Regen- oder Schneeperiode gewünscht, damit die Grundwasserstände sich erholen können. Die hätte dann vielleicht auch ein leichtes Hochwasser gebracht. Leichte Hochwasser brächten neues Leben in die Flüsse", sagt der Fischereiexperte.


Probleme bei Trockenphasen

Die Wasserstände bei längeren Trockenphasen machen den Bächen und Flüssen der Region Probleme, aber auch zu viele Feinsedimente im Wasser, sagt Wolfgang Silkenat. Er wünscht sich noch mehr Schutzstreifen, damit weniger Sedimente in die Bach- und Flussbette eingespült werden. An der Lauer klagen die dort ansässigen Münnerstädter Sportangler darüber, dass die Qualität ihres Fischwassers durch Verschlammungen beeinträchtigt wird. Wenn ein Bach verschlammt, ist das beispielsweise schlecht für die Forellen und Äschen, die sogenannte Kieslaicher sind.


Hungrige Kormorane

In der Thulba habe es früher die Äsche massig gegeben, sagt Kurt Fröhlich. Heute sei das nicht mehr der Fall. Das wiederum senkt die Attraktivität als Fischgewässer. Die Folge ist, dass auch Pachterträge für Fischgewässer sinken können.An der Thulba sei das schon geschehen, so Fröhlich. Aber es gibt auch andere Gründe, weshalb die Bestände zurück gehen. Der Fischereiberater Silkenat und der Angler Fröhlich nennen als Beispiel den Kormoran. Dieser könne einem Gewässer ganz schön zu schaffen machen, meint Kurt Fröhlich. Es gebe an den Gewässern teilweise Konflikte zwischen Energieerzeugung und Fischwirtschaft, seitdem auch kleine Mühlen immer häufiger zur Stromerzeugung angetrieben werden und dadurch ständig einen hohen Wasserstand im Staukanal benötigen.

Trotz vielerorts guten Wassers ist durch all diese Faktoren die Ökologie in den Fließgewässern des Landkreises nicht überall als gut eingestuft.Zwei Drittel aller Fischarten stehen mittlerweile auf der Roten Liste, sagt Wolfgang Silkenat. Er ist froh, dass es dennoch in den Gewässern der Rhön eine Vielfalt an Fischarten gibt. Aber die frühere Dichte der Bestände sei nicht mehr da, so der Fischereifachmann.


Flusspermuschel fast weg

Die Rhöner Bachforelle mit ihren roten Punkten habe eine hervorragende Qualität, sagt Silkenat. Forellen und Äschen in der Saale würden bis heute Fliegenfischer aus ganz Deutschland anlocken. In den tiefen, langsam fließenden Bereichen werden Hechte gefangen. In ruhigen Abschnitten gibt es weiterhin Aale, Karpfen und Schleien, so die offizielle Bestandsaufnahme.

Schlechter steht es um die Flussmuscheln und -krebse, die einst die heimischen Gewässer bevölkerten. Die Flussperlmuschel aus der Schondra sei fast weg, sagt Dr. Silkenat. Steinkrebse kommen in der Region nur ganz vereinzelt vor. Überrascht war der Fischereiexperte, als in einem Lauerzufluss ein kleiner Steinkrebsbestand nachgewiesen wurde. Wo genau, will er bewusst nicht sagen, um einen Krebstourismus zu vermeiden.Nach Meinung von Wolfgang Silkenat müssen alle Fluss- und Bachanrainer mithelfen, die besonderen Fluss- und Bachlandschaften des Landkreises zu erhalten. Wasserwirtschaft und Angler, ebenso wie die Landwirtschaft.
Das Wasserwirtschaftsamt hat in den vergangenen Jahren an verschiedenen Stellen der Saale, der Thulba, der Aschach oder auch der Lauer Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt, um die Ökologie zu verbessern. Mäander sind entstanden. Begradigte Abschnitte wurden zurückgebaut.

Die Angelvereine könnten laut Wolfgang Silkenat über gezielte Besatzmaßnahmen Fische in die Gewässer einbringen, die nicht üblicherweise auf der Wunschliste der Angler stehen, aber zum Lebensraum dazu gehören. "Man muss sich auch um die Kleinen kümmern", meint Silkenat. Und letztendlich wünscht sich Wolfgang Silkenat, dass die Wehre zwischen Nordsee Saale und Sinn einmal wieder so durchlässig sein werden, dass auch der Lachs wieder zurückkommt. Es wird noch dauern, das weiß Dr. Silkenat. Aber er hofft, dass es in 20 Jahren vielleicht soweit ist. 1927 wurde das letzte Mal in Unterfranken ein Lachs bei Lohr am Main gefangen. In Saale und Sinn ist das noch viel her.


Rund um die Saale

Länge Die Saale entwässert auf einer Länge von ca. 139 Kilometern ein Gebiet von 2765 Quadratkilometern, was fast einem Drittel von ganz Unterfranken entspricht.

Nebengewässer Das Flusssystem der Saale wird im Landkreis Bad Kissingen vor allem von folgenden Nebenflüssen/Bächen geprägt: Lauer, Premich, Thulba, Schondra und Sinn.

Nachgewiesene Fischarten Im Einzugsgebiet der Saale sind nachgewiesen: Bachneunauge, Bachforelle, Aal, Äsche, Flussbarsch, Kaulbarsch, Rutte, Barbe, Bitterling, Brachse, Döbel, Elritze, Gründling, Güster, Hasel, Karausche, Laube, Nase, Nerfling, Rapfen, Rotauge, Rotfeder, Schleie, Schneider, Wildkarpfen, Mühlkoppe, Schmerle, Dreist. Stichling (Quelle: Bezirk Unterfranken).