Der schönste Konzertsaal mit dem Klangwunder Klais-Orgel ist die Stadtpfarrkirche Maria Magdalena in Münnerstadt. Dass Regionalkantor Peter Rottmann schon fast eine Generation lang den Zuhörern die Orgel als Königsinstrument mit vielen Konzerten unermüdlich nahebringt, verdient höchste Anerkennung. Mit immer neuen musikalischen Begleitern führt er die Musikinteressierten durch Jahr und seit einiger Zeit beginnt er es auch. Diesmal hatte er den Trompeter Jürgen Weyer aus dem nahen Bad Neustadt eingeladen.

Die warmen, herzigen Grußworte zu Beginn sollten hoffen machen, dass sein Spiel und das seines Kollegen die Temperaturen des Gotteshauses nicht durch die Kleider dringt. Das ist in den 70 Minuten nicht gelungen. Trotzdem wärmte die Hitparade aus den letzten drei Jahrhunderten Herz und Gemüt der ca. 150 Besucher in der Teilbaustelle Stadtpfarrkirche.

Natürlich war es Johann Sebastian Bach (1685-1750) vorbehalten, die erste Stimme von insgesamt sieben Komponisten zu sein. "Liebster Jesu, wir sind hier" und das Choralspiel "Jesu meine Freude" Stücke, die der Laie nicht unbedingt dem Titel nachverfolgen konnte, aber die Melodien sind bekannt und je nach Zeitgeist in verschiedenen Versionen interpretiert worden. Jeremiah Clarke (1674-1707) ist nicht sehr alt geworden, er schied freiwillig aus dem Leben - doch seine Trompetenstücke im Verbund mit der Orgel haben die Zeiten überdauert. So war von Jürgen Weyer unter anderem der "Prince of Denmark's March" zu hören, dessen Ursprung lange einem anderen Tondichter zugeschrieben wurde. Claude-Bénigne Balbastre (1727-1799) mit einer barocken Weihnachtsuite und Louis Vierne (1870-1937) mit dem erst nachdenklich beginnenden und dann die ganze Energie der Register ausspielenden "Carillon de Westminster" .

Über vier Jahrhunderte bis 21. zog sich die Konzertpalette dieses Neujahrskonzertes. "Highland Cathedral" von Michael Korb in der Orgelfassung von Uli Roever (*1963) ist eigentlich ein Dudelsackstück, das für die "Highland Games" in den Achtzigern in Deutschland komponiert wurde.

Das Geballere in der Silvesternacht war für Georg Friedrich Händel (1685-1759) nicht der Grund, warum er seine "Feuerwerksmusik" schuf. Es war die Schießerei des Österreichischen Erbfolgekriegs nebst dessen Friedenschluss 1748, der zu der Auftragskomposition führte. Peter Rottmann und Jürgen Weyer ließen hören, was an Nachhaltigkeit nach Böllern, Fackeln und Raketen folgen kann. Es ist dieses leise Knistern des Feuers, das verschiedene Passagen im Orgelspiel ausmacht. Es sind des Trompeters hohe Töne, als wenn ein Wasserstrahl auf die Flamme trifft und verpufft. Die sechs Sätze des Stückes aus dem englischen Königshof, sowie eine Wiederholung als Zugabe hätten der Restwärme des Gotteshauses einen neuen Schub geben können.

Der Kantor von Maria Magdalena wünschte zum Neujahrsgruß viele weitere Paten für die Kirchenfenster. Das Münnerstädter Konzertleben wünscht sich viele weitere Musikerlebnisse im Lauertal-Dom.