Einst, als noch Basalt auf dem Sodenberg abgebaut wurde, liefen drei Schienenstränge am Stationsgelände zusammen. Heute führt nur noch das Gleis der Strecke Bad Kissingen-Gemünden an dem Haus vorbei. "Die Züge der Erfurter Bahn sind leise, wir hören sie schon nicht mehr", sagt Detlef Mohr. Die Fahrgäste störten auch so gut wie nicht. "Wir geben den Reisenden manchmal Auskunft", erklärt Andrea Mohr.

Der Bahnhof wurde im Jahr 1889 gebaut. Die Familie kaufte ihn von einem privaten Eigentümer bereits teilsaniert. Sie passte das Haus für ihre Wohnzwecke an, ohne den ursprünglichen Charakter des Gebäudes zu zerstören. Das Ehepaar mit vier Kindern fand auf den etwa 150 Quadratmetern ausreichend Platz.

Wintergärten schützen die Steine

"Wir haben das Haus damals intensiv bewohnt", sagt Detlef Mohr. Mit ein bisschen Überlegung zeigten sich Möglichkeiten, auch ohne dass Wände eingerissen wurden. Stattdessen erweitern zwei Wintergärten das Haus. Sie schützen auf zwei Seiten das Sandsteinmauerwerk.

Im Erdgeschoss des Bahnhofsgebäudes sind Wohnzimmer, Küche und Bad eingerichtet. Eine zweifach gewendelte Treppe aus Eichenholz - laut Detlef Mohr eine Seltenheit - führt in das Obergeschoss. Dort hatte der Bahnwärter in der Vergangenheit zwei Zimmer für sich. Der Schriftzug "Morlesau." an der Fassade, den die Familie von einem Fachmann auffrischen ließ, erinnert noch an die Zeit als Bahnstationsgebäude.

Verena Mörsner hat den Bahnhof in das Programm der Bauaktionstage aufgenommen. Die Veranstaltungsreihe soll zeigen, wie alte Bausubstanz genutzt werden kann. Bahnhöfe gehören zu den wenigen Funktionsbauten, die im ländlichen Raum typischerweise leer stehen und nach einer neuen Nutzungsform verlangen. Die Innenentwicklungsmanagerin des Landkreises Bad Kissingen zählt Wirtshäuser und frühere Schulgebäude ebenfalls dazu.

Holländer zu Gast

Alte Schulen werden vor allem von Vereinen genutzt. Familie Mohr macht vor, dass sich diese aber auch für den Tourismus eignen: 2002 kaufte sie die Alte Schule in Morlesau, um eine Ferienwohnung einzurichten. Bis zu sieben Personen können dort übernachten. Familien, Rad- und Bootstouristen buchen die Unterkunft. Ein holländisches Ehepaar mit drei Kindern, Großeltern und Hund ist zum Beispiel noch bis Samstag zu Gast. Andrea Mohr erklärt: "Die Nutzung als Ferienwohnung war uns gleich klar, als wir das Haus erwarben." Es liegt nicht zuletzt sehr günstig am Radweg.

Die Dorfschule war 1822 gebaut worden. Ab 1959 diente sie als Wohnhaus und verlor ihr ursprüngliches Aussehen. Schritt für Schritt stellt das Ehepaar Mohr es aber wieder her. So haben einige Fenster die alte Aufteilung bekommen. Irgendwann sollen auch die Kacheln vom Sockel abgeschlagen werden. "Es lohnt sich", sagt Andrea Mohr.