Ivonne Hüfner muss sich um ihre Zukunft keine Sorgen machen. Wenn sie ihre dreijährige Ausbildung zur Altenpflegerin an der Bad Kissinger Fachschule der Beruflichen Bildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) Schweinfurt erfolgreich abschließt, stehen ihr viele Türen und Möglichkeiten offen. Denn qualifizierte Fachkräfte sind dringend gesucht.

Ivonne Hüfner hat sich dazu entschlossen, "weil der Beruf viel Spaß macht". Er sei zwar anstrengend, aber viele alte Leute seien auch sehr dankbar. Dennoch sollte man Sport treiben, "damit der Kopf frei ist". Dann sei man auch ausgeglichener. Die gelernte Konditorin weiß, worauf sie sich einlässt. Sie hat als Helferin in der ambulanten Pflege gelernt und will nach der Ausbildung dorthin zurückkehren.

Müsste sie nicht: Am schwarzen Brett bei der bfz gGmbH sind Stellen ausgeschrieben, 20 sind der Agentur für Arbeit zur Besetzung genannt, sagt deren Leiter Marco Beier: "Examinierte Altenpfleger sind nicht arbeitslos gemeldet." Sie hätten in den nächsten 20, 30 Jahren kein Problem, einen Job zu finden. Und: "Wer einen sucht, muss nicht zu uns kommen."

Einige Stellen unbesetzt

Aus der Sicht eines Heimleiters sagt Roberto Ranelli (Pflegeheim Schloss Römershag) es so: Früher habe man in acht Wochen eine Fachkraft gefunden, jetzt dauere das gut ein halbes Jahr. Er suche immer Leute.
Das gilt auch für die Carl von Heß'sche Sozialstiftung mit ihren fünf Häusern und fast 400 Beschäftigten. Geschäftsführer Marco Schäfer sagt, einige Stellen seien frei. Vor 2009 habe er nie eine Anzeige gebraucht, heute habe eine Annonce "null Effekt." Dabei müsse er den gesetzlichen Personalschlüssel einhalten - oder Betten frei lassen.

Tanja Endreß von der gleichnamigen Pflegefamilie in Aschach und Silvio Wiltschek (Azurit-Seniorenheim in Bad Bocklet) stoßen ins gleiche Horn.

Für Umschüler bestens geeignet

Gerade in diesem Jahr, sagt Roberto Ranelli, gebe es nur sehr wenige Bewerber. So seien die Jahrgänge schwach, der Pflegeberuf liege nicht jedem, und er werde "nicht nur positiv dargestellt". Einzelne negative Vorkommnisse würden von den Medien "aufgebauscht". Gravierender ist, dass der Zivildienst abgeschafft worden ist. Da seien immer einige hängen geblieben.

Der Pflegeberuf hat ein Imageproblem. Er gilt auch als ziemlich mies bezahlt. Im Vergleich zu anderen Dienstleistern sei das Gehalt nicht schlecht, widerspricht Roberto Ranelli. Knapp 2200 Euro brutto bekomme ein Einsteiger. Mit der Industrie könne man allerdings nicht mithalten, gesteht er zu.

Heimplatz oft nicht leistbar

Gerne würden er und seine Kollegen höhere Löhne überweisen, aber das gäben die Pflegesätze nicht her. Die eine Hälfte der Heimkosten übernehme meist die Kasse, die andere müssen der Bewohner oder seine Angehörigen zahlen. Das könnten viele nicht. Schon jetzt seien etwa 20 Prozent auf Sozialhilfe angewiesen. Das sei "ganz bitter am Lebensende", sagt Marco Schäfer. Bei der Einführung der Pflegeversicherung 1996 seien Fehler gemacht worden. Er verweist auf Dänemark: Dort übernimmt die Versicherung alle Kosten.

Die Heimleiter mühen sich, den Pflegeberuf in einem guten Licht erscheinen zu lassen. Die Schichtarbeit habe auch Vorteile, das Arbeitsumfeld habe sich geändert, die Häuser seien schöner geworden, die Tätigkeit anspruchsvoller und vielseitiger. Auch Quereinsteiger - Silvio Wiltschek: "Mein Ältester war 56" - seien willkommen. Unter Umständen finanzieren Arbeitsagentur oder Jobcenter die Ausbildung. Es gebe Aufstiegschancen vom Helfer bis zum Chef.
Ganz wichtig sei die menschliche Komponente. "Es kommt immer was zurück", sagt Marco Schäfer, "ein großer Vorzug".
Damit sich das herumspricht und um Hemmungen abzubauen, findet erstmals eine Infoveranstaltung im bfz statt. Damit wolle man mehr Menschen im Kreis für die Pflege begeistern, so bfz-Leiter Stephan Zeller.

Wann Am Mittwoch, 10. Juli, von 14 bis 17 Uhr in der Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe des bfz, Columbiastraße 23 (Ex-Kaserne; Telefon: 0971/ 699 3530).

Wer Experten von Heimen, Agentur für Arbeit und bfz stehen Rede und Antwort zu Ausbildung und Arbeit.

Themen Aus- und Weiterbildung, Voraussetzungen und Möglichkeiten, Arbeitsbedingungen und Verdienst, Förderung und Qualifizierung.
Schule Das bfz Schweinfurt unterhält in Bad Kissingen eine Berufsfachschule für Altenpflege. Leiterin ist Angelika Korsalke. Voraussetzung sind ein mittlerer oder vergleichbarer Schulabschluss beziehungsweise Hauptschule plus Berufsausbildung. Hauptschule mit Abschluss als Pflegehelfer reicht auch. Die Ausbildung zum Helfer dauert ein Jahr, die zum Pfleger drei Jahre. Hier wechseln sich Theorie (2100 Stunden) und Praxis in ambulanten und stationären Einrichtungen (2500 Stunden) ab