Das Sportheim ist gerammelt voll, und das ist nicht gelogen. Nicht jeder hat einen Sitzplatz gefunden. "Da können wir eine Saal-Wette machen, wie viele Leute hier reinpassen", sagt Thomas Wagner mit einem Augenzwinkern. Er ist wie rund 250 Wildfleckener zur Bürgerversammlung gekommen. Für den Andrang gibt es eine einfach Erklärung: Es geht um viel Geld.

Rund drei Millionen Euro hat der Markt Wildflecken in den vergangenen Jahren ins Wasser- und Abwassersystem investiert. "Wir haben eine Ultrafiltrationsanlage für die Trinkwasseraufbereitung angeschafft", nennt Kämmerer Dieter Feller nur ein Projekt, das allein schon mit einer halben Million zu Buche schlägt. Außerdem wurden ein Regenüberlaufbecken im Wiesengrund und ein Stauraum kanal in Oberbach gebaut. Es werden aber nicht alle Kosten auf die Bürger umgelegt. Nach Abzügen bleiben aber immerhin noch 2,2 Millionen offen, die nun die Bürger tragen sollen.

"Das Gesetz gibt den Kommunen einige Finanzierungsmöglichkeiten an die Hand", er klärt Heinricht Schulte vom Satzungsbüro Müller. Konkret nennt er Zuschüsse, die aber nur selten bewilligt werden, sowie Gebühren und Beiträge, die von den Bürgern erhoben werden können. "Die Kommune hat keine Wahl: Sie muss das Geld von den Nutzern erheben. Fertig", bringt Schulte die Situation auf den Punkt.

Grundsätzlich stehen einer Kommune zwei Wege zur Verfügung, die Kosten auf ihre Bürger umzulegen: Gebühren und Beiträge. Gebühren müssen von al len gezahlt werden. Im Ergebnis würden die Preise für Wasser und Abwasser also für viele Jah re erheblich steigen. Beiträge sind dagegen einmalige Zahlungen, die nur von Haus- und Grundstückseigentümern erhoben werden. Im aktuellen Fall hat sich der Markt Wildflecken für Beiträge entschieden. Und die werden ganz individuell je nach Größe von Grundstück und Haus berechnet. Deshalb haben die Eigentümer in den vergangenen Wochen Post erhalten, in der sie über die Kosten, die auf sie zukommen, informiert wurden. Die Zahlung wird im Februar und März 2013 fällig und soll in zwei Raten abzuleisten sein.

Der Unmut wächst

"Ich muss für mein Anwesen ungefähr 1000 Euro zahlen", gibt Bürgermeister Alfred Schrenk (SPD) den Besuchern ein Beispiel. Denen vergeht das Lachen angesichts der Kosten, die auf sie zukommen werden. Das Einzige, das für Erheiterung sorgt, ist ein Schmetterling, der irritiert über die Köpfe der Besucher hinwegfliegt. "Man müsste auswandern", ist zu hören. Ein Mann wischt sich die Stirn. Nicht nur der Unmut steigt im Raum, sondern auch die Temperatur.

"Es trifft immer nur die Haus- und Grundstücksbesitzer", beschwert sich Walter Gutmann, ehemaliger Bürgermeister (CSU). Applaus tönt durch den Saal. "Die Leute haben schon vor 33 Jahren für das Wasser- und Kanalsystem gezahlt", erinnert sich Gutmann. "Das war der Herstellungsbeitrag", erklärt Schulte. "Aber viele Anlagen sind in die Jahre gekommen, und dann werden zusätzliche Beiträge für Verbesserungsmaßnahmen fällig." Auch Norbert Helfrich ist unzufrieden. "Und wie geht es mit der Kläranlage weiter?", spricht er die Frage aus, die ohnehin im Raum steht (siehe Artikel unten).
Nach der Bürgerversammlung zeigt sich: Viele Fragen bleiben. Deshalb gibt es eine Bürgersprechstunde. Die Termine stehen im Internet: http://www.wildflecken.de/