Der erste Einsatz des Roten Kreuzes auf bayerischem Boden war in Bad Kissingen. So ist es immer wieder zu lesen. Genau genommen müsste dies aber anderes formuliert werden. Denn eigentlich handelte es sich um den ersten Einsatz in Bayern "unter dem Roten Kreuz", betont der Historiker Oliver Hein, der sich intensiv mit dem 1866er Krieg in Bad Kissingen befasst hat.

Damit erklärt sich vielleicht auch, weshalb der Rotkreuz-Einsatz in Bad Kissingen im 1866er Bruderkrieg weitgehend im Dunkel der Geschichte verborgen bleibt. Oliver Hein ist derzeit Doktorand an der Universität Bamberg. Er hat in vielen Quellen recherchiert. Unterlagen dazu hat er kaum gefunden. In Bad Kissingen kämpften am 10. Juli 1866 Bayern gegen Preußen.

Hein hat im Bad Kissinger Stadtarchiv nach handschriftlichen Belegen gesucht, um Näheres über den Einsatz unter dem Roten Kreuz im Juli 1866 zu erfahren. Zu finden ist dort nichts. "Die Quellenlage ist dünn", betont Hein.Sein Fachgebiet ist unter anderem das militärische Sanitätswesen.

Er geht davon aus, dass ehrenamtliche Kräfte aus Bad Kissingen die Lazarett-Ärzte unterstützt haben. Preußen war einer der zwölf Staaten, die 1864 die Genfer Konvention unterschrieben, als deren Schutzzeichen das rote Kreuz auf weißem Grund bis heute gilt. Sowohl in Preußen, als auch in Bayern hatten sich zudem nach 1864 größere und kleinere Hilfsvereine gebildet, die sich alle unter das ideelle Symbol des Roten Kreuzes stellten.

"In Bad Kissingen konnten allerdings weder Mitglieder des Komitees, noch andere bayerische Hilfsvereine in den Tagen nach der Schlacht ausfindig gemacht werden", erläutert Oliver Hein. Dagegen fanden die Geschichtsforscher zahlreiche Ordensschwestern verschiedenster Konfessionen in Bad Kissingen, die sich ideell unter das Rote Kreuz stellten. Eine institutionelle Zugehörigkeit sei damit noch nicht symbolisiert worden, erläutert Oliver Hein. Sechs Schwestern vom Orden der filles de la croix waren im Einsatz und 35 Barmherzige Schwestern der Kongregation der "Ancillae Domini Jesu Christi" sowie vier Diakonissinnen.

Bevölkerung half mit

Auch die Kissinger Bevölkerung, ortsansässige Ärzte und sogar Kurgäste halfen, die Not zu lindern. Auf historischen Stichen ist zu erkennen, dass Schwestern und Helfer bei ihrem Einsatz Rotkreuzbinden tragen. Ein solcher Stich hängt auch im Gebäude des BRK-Kreisverbandes in Bad Kissingen.

Für die ersten Rotkreuzhelfer auf bayerischem Boden gab es in den Tagen um den 10. Juli 1866 viel zu tun. Denn die Zahl der Verletzten war hoch. Von 1300 Verwundeten ist in den Quellen die Rede. Als Lazarette dienten die Arkaden im Kurpark, aber auch die großen Hotels am Ort, ebenso Privathäuser. Selbst in die Literatur hat es diese Schlacht geschafft. Theodor Fontane beschrieb in seinen Büchern "Der Deutsche Krieg von 1866" die Situation in Bad Kissingen unter anderem so: "Die Kurgäste aller Nationen, vor allem die Damen, wetteiferten, den Unglücklichen ihre Leiden nach Kräften zu erleichtern."

Oliver Hein erklärt, dass das preußische und bayerische Militär in Bad Kissingen mit einer hohen Zahl an Verwundeten gerechnet haben. Der Lazarettdienst im Ort sei nach der Schlacht von einer preußischen Lazarettkommission organisiert worden, dem Militärärzte unterstellt waren. Im Museum "Obere Saline" in Bad Kissingen erfährt der Besucher mehr über diese Schlacht und ihre Auswirkungen für die Bevölkerung.

Den ersten Einsatz unter dem Roten Kreuz auf einem deutschen Schlachtfeld beansprucht die Gemeinde Langensalza in Thüringen für sich. Dort trafen am 27. Juni 1866 Preußen und Hannover aufeinander. Aus Langensalza gibt es ein paar Informationen mehr. 30 Turner aus Gotha trugen Rotkreuzbinde und halfen bei der Erstversorgung der Verwundeten auf dem Schlachtfeld. Auch ist überliefert, dass Hilfsvereine des Roten Kreuzes aus Hamburg und Berlin Verbandsmaterial und Spenden nach Bad Langensalza geschickt hatten.

In Bad Kissingen finden sich erst ab 1889 ausreichend schriftliche Quellen über das Rote Kreuz. In diesem Jahr wurde die örtliche Bereitschaft gegründet. "Da fing unsere Zeit dann richtig an", erklärt Bereitschaftsleiter Thomas Menz. Man geht aber in der Sanitätsbereitschaft Bad Kissingen davon aus, dass die Schlacht in Bad Kissingen ein Anlass war, mehr als 20 Jahre später eine Rotkreuz-Gruppe ins Leben zu rufen.